„Electrified!“ in Tempelhof: Dieses leise Surren

Man kann in 13 Stunden locker mit dem Auto von Berlin an die Adria fahren, die Avus runter und dann immer Richtung Süden. Genau so lange dauert es, sein komplett leergefahrenes Elektroauto an seiner Haushaltssteckdose vollzutanken – um mit diesem dann maximal 190 Kilometer weit zu fahren. Dann muss es erneut ans Netz. Es gibt aber auch schnellere Tankmethoden. So wird der Akku an bestimmten Säulen innerhalb von einer halben Stunde immerhin zu 80 Prozent aufgeladen.

Diese und zahlreiche andere Informationen rund um das vermeintliche Auto der Zukunft gibt es zurzeit auf der „Electrified!“ auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof. Das ist eine Mischung aus Messe und PR-Show, mit der der Autokonzern Volkswagen für seine Elektroflotte wirbt. In diesem Sommer wollen die Wolfsburger die ersten ausschließlich elektrisch betriebenen Kompaktwagen (Golf) und Kleinstwagen (up!) auf den Markt bringen und mit BMW konkurrieren, dessen i3 schon im hauptstädtischen Straßenbild auftaucht.

Am Sonnabend konnten die Besucher in Tempelhof erst einmal feststellen, dass das Interesse der Berliner am Elektroauto-Business bisher überschaubar ist. Es gab null Wartezeit, wenn man eines der Elektroautos über das Flughafenvorfeld steuern wollte. Das aufwendige Eintragen der Uhrzeit am Check-in-Schalter zuvor hätte man sich also getrost sparen können, so wenige Leute wollten Probefahrten unternehmen. Sicher mehr als die Hälfte der fast Hundert bereitgestellten Testwagen (vom ausschließlich elektrisch betriebenen Stadtwagen, über Autobahn-taugliche Hybride bis hin zu Modellen, bei denen während der Fahrt Zylinder abgeschaltet und so Benzin gespart wird) blieb dann auch unbewegt. Der Rest surrte fast lautlos im Sekundenabstand durch den Pylonen-Parcours.

Geschicktes Pedalspiel gefragt

Geduldig erklärte Fahrtrainer Sascha Schmidt dabei, wie’s geht: Fahrpedal treten, anfahren, die verblüffend kräftig greifende Motorbremse nutzen, indem man den Fuß wieder vom Fahrpedal nimmt. Durch geschicktes Pedalspiel lasse sich Energie zurückgewinnen. So könne man mit einer Stromladung die Reichweite vergrößern, ehe das Auto wieder an die Steckdose müsse. All dies sei auf dem Tacho und auf dem Display abzulesen.

„Electrified“ gibt Einblicke in die automobile Zukunft, zeigt aber auch, wie mühselig der Weg ist. Die Bundesregierung will, dass im Jahr 2020 eine Million Elektroautos unterwegs sind: Im Jahr 2013 wurden 6 051 solcher Fahrzeuge zugelassen. Gründe für die Zurückhaltung der Kunden kann man auch in den Datenblättern eines e-Golfs finden: Die Batterie wiegt allein 318 Kilogramm und macht aus dem Kompaktauto einen Anderthalbtonner. Dieser fährt zwar schnell an, kommt dann jedoch auf maximal 140 Stundenkilometer, muss nach spätestens 190 Kilometern ans Stromnetz und kostet minimal 34.900 Euro. Beim up! sind es 130 Stundenkilometer Geschwindigkeit, 160 Kilometer Reichweite und mindestens 26 900 Euro. Die automobile Zukunft wird langsam und teuer – aber leise und im Verbrauch CO2 -frei.

Noch bis Freitag können Fachbesucher Probe fahren, informieren Ausstellungen rund um das Thema Elektromobilität. Abends ist fürs Publikum geöffnet, dann legen DJs auf (Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr).