Elektro-Roller in Berlin: Mindestens 650 weitere Strom-Scooter von Coup und Emmy

In der kommenden Woche gehen sie wieder an den Start. Am Montag wird Coup mit seinen schwarz-grünen Strom-Rollern den Anfang machen. Zwei, drei Tage später folgen die roten Elektro-Schwalben von Emmy. Die beiden Berliner Stromscooter-Verleiher beenden ihre Winterpause. Saisonbeginn für die elektrifizierte Car2go-Variante auf zwei Rädern.

Die Bosch-Tochter Coup, die ihren Sharingdienst von einem Bürogebäude am Bahnhof Friedrichstraße aus lenkt, nutzt den Start in die neue Saison, um seine Marktstellung zu festigen. „Wir sind heute schon führend in Berlin und werden unsere Position ausbauen“, sagt Coup-Chef Bernd Schmaul. Tatsächlich stockt Coup seine Flotte in Berlin kräftig auf. 500 weitere Roller hat das Unternehmen bei dem taiwanesischen Elektroscooter-Hersteller für Berlin geordert, um die „verstärkte Nachfrage“ abzudecken. Damit hat Coup hier ab der kommenden Woche insgesamt 1500 Roller im Einsatz.

Start-up vs. Retortenfirma

Tatsächlich ist der Roller-Verleih eine Erfolgstory. In Berlin brachte das Start-up Emio, das sich inzwischen Emmy nennt, den minutenweisen Roller-Verleih in die Stadt. 2015 hatte sich das Unternehmen gegründet und unter anderem mit einem Darlehen der Investitionsbank Berlin die ersten 150 Elektro-Scooter angeschafft. Im August 2016 kann dann Coup hinzu. Eine Retortenfirma, die von der Unternehmensberatung Boston Consulting entwickelt und für den Automobilzulieferer Bosch gegründet wurde und seitdem dessen 100-prozentige Tochter ist. Mit einem Etat von mehreren Millionen Euro enterte Coup seinerzeit über Nacht den Berliner Sharingmarkt mit 200 Rollern. 2017 kamen 800 Scooter hinzu. Nun sind es also bereits 1500 Scooter. Coup-Chef Schmaul, der zuvor bei Europcar und Daimler arbeitete, spricht von einem Erfolg. „Wir können Mobilität in der Stadt deutlich und nachhaltig verändern.“

Beim Berliner E-Scooter-Pionier Emmy beginnt die neue Saison ebenfalls mit einer größeren Flotte. 650 rote E-Schwalben hat das Unternehmen derzeit im Portfolio. Laut Firmenchef und Mitgründer Valerian Seither sollen noch im März 150 Roller hinzukommen. Im Laufe des Jahres sollen weitere Scooter folgen. „Wir wollen die 1000 noch in diesem Jahr schaffen“, so der 32-Jährige.

Minutenweise Abrechnung

Coup wird darüber hinaus sein Preismodell ändern. Kostete eine Fahrt bislang mindestens drei Euro, für die man dann eine halbe Stunden fahren durfte, so führt Coup zum 1.April die minutenweise Abrechnung ein: Dann kosten zehn Minuten 2,10 Euro, für jede weitere Minute berechnet Coup 21 Cent. Coup gehe damit auf das Feedback seiner Nutzer ein, sagt Bernd Schmaul. „Verstärkt besteht die Nachfrage nach einem günstigeren Preis für kurze Fahrten.“ Allerdings: Wer einen Coup-Roller länger als eine Viertelstunde nutzt, für den wird die Fahrt künftig teurer. Emmy bleibt indes bei seinem Minutenmodell: 19 Cent pro Minute.

Von Madrid und Paris überholt

Über Umsatzzahlen, Zahl der registrierten Nutzer und Vermietungen ist weder bei Coup noch bei Konkretes zu erfahren. Der eifrigste Coup-Kunde habe im vergangenen Jahr 800 Mal einen Roller gemietet, heißt es. Aber was sagt das schon? Bei Emmy spricht man von 150000 registrierten Nutzern in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und München zusammen. Die meisten davon habe man in Berlin, sagt Emmy-Chef Seither. Tatsache ist indes, dass die Pionier-Stadt Berlin in Sachen E-Roller-Sharing längst von anderen europäischen Metropolen überholt wurde. 2017 galt Berlin in diesem Segment der Mobilität noch als die Welthauptstadt. Mittlerweile gibt es etwa in der 3,2-Millionen-Stadt Madrid 4500 Leihroller von fünf Anbietern. In Paris fahren 4300 Roller, und Berlin wird in diesem Jahr auf vielleicht 2500 Scooter kommen. 

E-Kick-Scooter nicht „im Fokus“

Setzen Coup und Emmy aber vielleicht als Ergänzung ihrer elektrischen Sitzroller auf die kurz vor der Zulassung stehenden Strom-Kickscooter, die in anderen Städten Europas für einen Euro gemietet werden können? Coup-Chef Schmaul ist zurückhaltend. „Das haben wir aktuell nicht im Fokus“, sagt er. Und Valerian Seither findet diese Art der Elektromobilität zwar spannend, „aber wir werden mit Sicherheit nicht die ersten sein, die diese Dinger auf die Straßen bringen“.