Jürgen Hohn steigt am Rathaus von Zepernick in den Dienstsmart. Der Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Gemeinde Panketal (Landkreis Barnim) bringt den Sitz in die für ihn genehme Fahrerposition, er stellt die Spiegel ein und dreht den Schlüssel im „Zündschloss“. „Oh “, sagt er beim Blick auf die Armaturen, „nur 80 Prozent Saft auf dem Akku, aber das reicht mir dicke für meine Fahrt. Da war wohl gerade einer unterwegs.“

Die Gemeinde am nordöstlichen Stadtrand von Berlin hat sich einen kleinen Elektroflitzer als Dienstwagen zugelegt. Das allein ist im Land Brandenburg nicht ungewöhnlich. Aber die Verwaltung von Panketal nutzt „ihren“ emissionslosen fahrbaren Untersatz als erste Kommune im Land über ein Car-Sharing-Modell gemeinsam mit Einwohnern und Besuchern. Beim Car-Sharing teilen sich mehrere Nutzer ein Auto, das von einer Betreiberfirma gegen ein Entgelt zur Verfügung gestellt wird.

Stromzapfstelle installiert

„Wir stellen nur den Parkplatz, der öffentlich zugänglich ist“, sagt Jürgen Hohn. Die Sharing-Firma Flinkster, eine Tochter der Deutschen Bahn, ist Besitzer des Fahrzeugs. Sie hat am Rathaus eine Stromzapfstelle installiert, an die der Wagen nach jeder Fahrt angedockt wird. Je nachdem, wann er wieder gebraucht wird, wird er dort schnell oder schonend wieder aufgeladen.

Jürgen Hohn steuert den E-Smart durch die Gartenstadtidylle von Zepernick, Röntgental und Schwanebeck. In den Ortsteilen dominieren kleine Sträßchen mit Ein- und Zweifamilienhäusern. Das Auto surrt kaum hörbar über Asphalt und Sand. „Das ist schon beeindruckend, wie geräuscharm so ein Fahrzeug ist“, sagt Hohn. Er hat sich die heutige Fahrt über seinen Computer am Nachmittag zuvor reserviert, um Bürgerhinweisen auf wild abgelagerte Müllsäcke, auf einen Bienenschwarm in einer Birke am Straßenrand und auf eine tief ausgewaschene Regenrinne in einer der Sandstraßen der Gemeinde nachzugehen. „Für solche Zwecke ist das Auto einfach ideal“, sagt er, „ich brauche für meine Kontrollfahrten in der Regel 30 bis 40 Kilometer. Die voll geladene Batterie schafft gute 100 Kilometer. Das Auto ist wendig und spritzig wie ein kleiner Scooter. Und ich puste den Leuten keine Abgase über den Gartenzaun.“

Seit Februar ist die Kommune Kunde bei Flinkster. Das Kalkül der Vermieterfirma ist, dass die Dienstfahrten der Panketaler Behördenmitarbeiter für eine Grundauslastung des Fahrzeugs sorgen. „Ohne die würden wir nicht zu solch einem Flächenstandort gehen“, gesteht die DB-Fuhrparkreferentin Anke Borcherding, die das Modellprojekt von Seiten der Bahn betreut. „Die Panketaler Gemeindeverwaltung ist mit dieser Idee an uns herangetreten“, sagt sie, „wir fanden sie gut und haben uns somit auf Neuland gewagt.“ Panketal war deutschlandweit die erste Gemeinde, die mit der DB-Tochter einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hat. Inzwischen hat die Firma eine ähnliche Vereinbarung mit einer Kommunalverwaltung in Baden-Württemberg getroffen. Auch aus Brandenburg gibt es weitere Anfragen. Nach Auskunft von Flinkster werde das Auto in Zepernick bis jetzt von vier weiteren Kunden zum Teil auch schon mehrfach genutzt. Dabei wurden Fahrten zwischen 30 und 100 Kilometern zurückgelegt. „Das ist ein Anfang“, sagt DB-Mitarbeiterin Anke Borcherding, „aber wir erhoffen uns schon noch eine stärkere Auslastung.“

Panketals Bürgermeister Rainer Fornell sitzt an seinem Schreibtisch und studiert am Computerbildschirm den aktuellen Buchungskalender des Zepernicker E-Mobils. Er kann ablesen, welche Reservierungen aus dem Rathaus und welche von außerhalb kommen. „Schau an“, sagt er, „es werden langsam auch mehr private Fahrten.“ Dem Gemeindechef liegt das Projekt am Herzen. Mit ihm könne man die Stadtkasse entlasten, der Umwelt einen Dienst erweisen und zugleich für mehr individuelle Mobilität im Ort sorgen. „Allein hätten wir uns das Auto, das runde 21 000 Euro und 60 Euro monatliche Batteriemiete kostet, nie anschaffen können“, sagt er. Jetzt stehe es jedermann als attraktives zusätzliches Angebot zur Verfügung und sei insbesondere auch für diejenigen Familien eine Alternative, die ein Zweitauto abstoßen oder gar nicht erst anschaffen wollen.

Im Gemeindefuhrpark ersetzt der Elektrosmart eines der drei bisherigen Dienstautos. Für längere Strecken oder spontane Termine zu Zeiten, da das Sharing-Auto schon gebucht ist, können die Bediensteten auf die anderen Fahrzeuge ausweichen. „Aber generell schauen die Mitarbeiter und auch ich zuerst nach, ob der Smart verfügbar ist und zur Fahrt passt“, sagt Rainer Fornell. Dann reserviert sich der Bürgermeister den Wagen für eine am nächsten Tag anstehende Fahrt in die Kreisstadt Eberswalde.