Berlin - Politiker der Berliner Linken haben Geld für die Straßenmusikerin Elen Wendt gesammelt und wollen es ihr am Sonnabend auf dem Alexanderplatz übergeben.

Hintergrund ist die 1000 Euro Buße, die das Amtsgericht Tiergarten am Mittwoch über die Künstlerin verhängte weil sie aus Sicht des Gerichts gegen das Straßengesetz der Hauptstadt verstoßen hatte. Wendt hatte beim Musizieren auf dem Alexanderplatz einen Gitarrenkoffer auf die Straße gestellt, wofür sie aus Sicht des Bezirksamts Mitte eine Sondernutzungserlaubnis gebraucht hätte.

Nach Bekanntwerden des Urteils hat die Berliner Linksfraktion spontan 800 Euro für Elen Wendt gesammelt. Die Initiative dafür ging von Klaus Lederer und Stefan Liebich aus, die die Musikerin kennen. „Ich wohne in Prenzlauer Berg und sehe Elen oft an der Schönhauser Allee musizieren“, sagt Lederer, Linken-Parteichef und Spitzenkandidat der Partei der Berliner Zeitung. „1000 Euro Strafe sind heftig für eine Straßenmusikerin und wir wollen mit der Spende Solidarität zeigen.“

Immer wieder Ärger mit Bezirksamt Mitte

Elen Wendt singt seit rund neun Jahren regelmäßig für Passanten und spielt dazu Gitarre. Dabei ist ihr Gitarrenkoffer vor ihr aufgeklappt. Die Frau, die 2011 als Kandidatin an der Castingshow „The Voice of Germany“ teilnahm, ist regelmäßig an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg oder in Mitte zu hören. In Berlin-Mitte bekam sie immer wieder Ärger mit Mitarbeitern des Ordnungsamtes.

Vor etwa sechs Monaten bekam sie drei Bußgeldbescheide. 1450 Euro Strafe waren wegen mehrerer Verstöße gegen das Straßengesetz und Lärm verhängt worden. Die Musikerin legte Einspruch ein und erzwang damit eine mündliche Verhandlung, die mit dem Bußgeld von 1000 Euro endete.

„Das ist doch Absurdistan“

Lederer kritisiert den Umgang des Bezirksamtes Mitte mit dem Fall. „Das ist doch Absurdistan, was sich da abspielt. Ist wirklich eine Musikerin am Alex das Problem? Der Platz, der an acht von zwölf Monaten im Jahr mit kommerziellen Festen und Veranstaltungen zugerummelt wird?“, fragt Lederer. „Wenn die Verwaltung dafür Zeit hat, dann läuft doch was falsch.“

Das Verhalten des zuständigen Bezirksstadtrates Carsten Spallek (CDU) empört ihn besonders. Spallek hatte über die Musikerin gesagt, sie ignoriere die Vorschriften und sei obendrein beratungsresistent. „Das sagt ausgerechnet Herr Spallek, der bei der Erteilung der Baugenehmigung am Magnus Haus selbst Gesetzesbruch anordnet hat. Und hier zeigt er plötzlich so ein Rechtsbewusstsein?“

Das Geld wollen Klaus Lederer und der Pankower Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich der Künstlerin persönlich überreichen. Die Übergabe soll am Sonnabend um 10 Uhr am Brunnen auf dem Alexanderplatz stattfinden.