Monatelang hat die Sonderkommission Schlaatz nach dem vermissten sechsjährigen Elias aus dem Potsdamer Stadtteil Schlaatz gefahndet. Das Geständnis von Silvio S., dem mutmaßlichen Mörder des Flüchtlingsjungen Mohamed, auch Elias aus Potsdam getötet zu haben, kam für die Brandenburger Fahnder überraschend. Das sagt der Chefermittler Michael Scharf im Interview.

Wie haben Sie die Nachricht vom Geständnis aufgenommen?

Es war am Donnerstagabend ein Schock, eine völlig unerwartete Nachricht. Damit haben meine Kollegen und ich nicht gerechnet.

Warum nicht? Es hieß doch immer, Sie arbeiten mit der Soko Mohamed zusammen und würden Zusammenhänge untersuchen.

Das stimmt. Wir standen mit den Berliner Kollegen im intensiven Kontakt. Aber es gab bis zum Zeitpunkt des Geständnisses eigentlich überhaupt keinen Bezug zu den Ermittlungen der Soko Mohamed.

Aber dass Elias vier Monate nach seinem Verschwinden nicht mehr leben würde, damit haben Sie schon gerechnet?

Die Wahrscheinlichkeit wurde mit jedem Tag größer, dass der Junge tot ist. Aber bis zum Donnerstagabend schwang immer noch ein kleiner Funken Hoffnung bei uns mit, dass das Kind noch lebt.

Sie sind ein erfahrener Ermittler. Was berührt Sie am meisten?

Der Tod der beiden Kinder berührt und trifft die Kollegen und mich natürlich sehr. Ermittlungen zu solchen Verbrechen gehören nicht zu unserem Tagesgeschäft. Es sind herausragende und sehr tragische Fälle. Elias und Mohamed waren wehrlose, kleine Menschen, die in einen Hinterhalt gelockt wurden und keine Chance hatten, sich selbst zu helfen oder Hilfe zu herbeizuholen. Bei dem kleinen Mohamed kam noch erschwerend hinzu, dass er offenkundig der deutschen Sprache nicht mächtig war.

Sind Sie jetzt auch ein bisschen erleichtert, dass die Suche vorbei ist?

Von Erleichterung kann man überhaupt nicht reden. Aber es war belastend, wirklich gar nichts zu haben, keine Spur von Elias zu finden und trotzdem weiter ermitteln zu müssen. Diese Belastung ist nun weg. Es ist vor allem gut, dass diesem Tatverdächtigen das Handwerk gelegt und somit verhindert werden konnte, dass er möglicherweise weitere Taten begeht.

Hatten Sie nach dem Geständnis von Silvio S. Kontakt zur Mutter von Elias?

Wir haben ihr unmittelbar nach der Aussage des Tatverdächtigen einen psychologischen Beistand vermittelt. Zudem gibt es bei uns eine Kollegin, die für die Mutter direkte Ansprechpartnerin ist.

Wissen Sie mittlerweile, wie der mutmaßliche Täter Elias in seine Gewalt gebracht hat?

Das wissen wir noch nicht. Der Mann macht seit Donnerstag von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Wir müssen nun ermitteln, wie der Tatverdächtige überhaupt nach Potsdam-Schlaatz gekommen ist, wo Elias verschwand. Wie er den Jungen angesprochen, wie er ihn entführt hat.

Prüfen Sie nun, ob der mutmaßliche Mörder von Mohamed und Elias auch für andere Straftaten verantwortlich ist?

Ja. Es gibt zum Beispiel intensiven Kontakt zu der Ermittlungsgruppe Wald, die seit Mai dieses Jahres nach der verschwundenen fünfjährigen Inga aus Sachsen-Anhalt sucht. Und es werden noch weitere offene Fälle von uns auf Parallelen untersucht.

Wie geht es jetzt weiter mit der Sonderkommission Elias?

Die Soko war eingerichtet worden, um Elias zu finden. Daraus ist nun ein Mordfall geworden, und wir legen die Arbeit in die Hände der Spezialisten der Mordkommission der Polizeidirektion West.

Interview: Katrin Bischoff.