Dass dieses Bauwerk nicht mehr zu retten ist, war absehbar. Jetzt ist es amtlich: Die Elsenbrücke, die seit fünf Jahrzehnten zwischen Treptow und Friedrichshain die Spree überspant, muss komplett abgebrochen werden. „Sie ist so stark beschädigt, dass ein Abriss unvermeidlich ist“, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) am Dienstag. Der Ende August bei einer regulären Überprüfung entdeckte Riss sei so groß, dass er sich nicht mehr reparieren lässt. Damit zeichnet sich ab, dass diese Spreequerung mindestens zehn Jahre ein Nadelöhr bleiben wird, an dem lange Staus die Regel sind.

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„Die neue Brücke wird nach jetzigem Stand Ende 2028 fertig sein“, so Günther. So lange werde den Kraftfahrern an dieser Stelle nur die halbe Kapazität zur Verfügung stehen. Bereits jetzt stockt dort oft der Verkehr, weil nur noch einer der beiden Überbauten befahrbar ist. Der andere wurde wegen des Bauschadens Ende August für Autos und Lkw gesperrt.

Bald wird noch mehr Verkehr in diesen Teil des Berliner Ostens drängen. 2022 oder 2023 soll der 16. Bauabschnitt der Autobahn A 100 fertig werden, der den Stadtring über Neukölln hinaus bis Treptow verlängert und kurz vor der Elsenbrücke endet.

Gutachter haben vorausgesagt, dass die Zahl der Fahrzeuge, die dort die Spree überqueren, auf 80.000 pro Tag steigen wird. Bisher musste die Elsenbrücke täglich 55.000 Fahrzeuge verkraften. Weil nun aber nur noch die halbe Kapazität zur Verfügung steht, werde es Probleme geben, den ganzen Verkehr abzuleiten, sagte Tiefbau-Chef Lutz Adam. Ampeln sollen den Andrang regeln.

Doch zunächst einmal sind die Senatorin und ihre Planer froh, dass sie eine Lösung gefunden haben, dank derer eine Spreequerung zumindest möglich bleibt. „Es war unsere Priorität, dies zu sichern“, sagte Günther. Wenn die Querung komplett ausfiele, wäre das der Super-GAU.

Die Gefahr, dass auch der zweite, noch betriebene Teil der 1968 zu DDR-Zeiten eröffneten Elsenbrücke gesperrt werden muss, ist real. Denn der Überbau Nordwest, auf dem sich der Verkehr heute konzentriert, ist aus demselben kritischen Material nach demselben kritischen Verfahren errichtet wie der Überbau Südost, den jetzt nur noch Fußgänger und Radfahrer benutzen dürfen.

Wie berichtet wurde Spannstahl aus dem Volkseigenen Betrieb Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf verbaut. „Er ist anfällig für Korrosion und neigt zu Rissen“, sagte Adam. Aber nicht nur das Material berge ein „extremes Risiko“, so der Ingenieur. Als die 185 Meter lange Brücke von 1965 bis 1968 errichtet wurde, hielten die Bauleute eine Vorschrift nicht ein.

Adam erklärte die besondere Konstruktion, die es in Berlin sonst nur bei der Mühlendammbrücke in Mitte gebe. Stahldrähte im Innern sollen das Bauwerk stabil halten. In dem Teil der Brücke, in dem der Riss aufgetreten ist, sind 512 Litzen gespannt und in einem sogenannten Spannkasten zusammengefasst. „Die Vorschriften sagen, dass die Drähte innerhalb von 14 Tagen mit Beton zu ummanteln sind“, sagte Adam. Doch laut Bautagebuch sei das erst nach sechseinhalb Monaten erfolgt. So konnte Nässe eindringen.

25 Meter langer Riss

Offenbar seien Drähte korrodiert und gerissen. Die hohen Temperaturen in diesem Sommer hätten die Brücke zusätzlich belastet. In sechs Wochen entstand ein bis zu 1,8 Millimeter breiter Riss im Beton, dessen Länge jetzt auf 25 Meter beziffert wurde. Zuletzt war von 28 Metern die Rede.

„Für die Mühlendammbrücke wird bereits ein Ersatzbau geplant“, sagte Adam. Nun wird auch die Elsenbrücke ersetzt, für 50 Millionen Euro. 2020 soll der Überbau Südost abgerissen werden. An seiner Stelle entsteht bis 2022 eine Behelfsbrücke. Dort nehmen zwei Fahrstreifen pro Richtung den Verkehr auf, während der Überbau Nordwest bis 2025 neu gebaut wird. Danach wird die Behelfsbrücke ersetzt – durch einen Neubau an derselben Stelle.