Das Ganze erinnert an ein Brettspiel. Ziel ist es, Fahrstrecken für Schwerlasttransporte zu planen. Doch immer mehr Straßen und Brücken fallen aus, weil sie große Gewichte nicht mehr tragen könnten. Am Ende bleiben Umweg-Strecken übrig, die auch durch Wohngebiete führen. Solche Zickzack-Routen zu planen, ist eine frustrierende Aufgabe – der sich in Berlin wichtige Wirtschaftszweige immer öfter stellen müssen. Sie bekommen zu spüren, wie sehr die Verkehrswege vernachlässigt worden sind. „Für den Schwerlastverkehr wird es immer schwieriger, in die Stadt hinein oder wieder herauszukommen“, sagt Melanie Bähr, die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK).

Wieder eine Route weniger

Vor Kurzem ist noch eine Problemstelle dazu gekommen. „Die Elsenbrücke zwischen Treptow und Friedrichshain“, sagt Christian Ostendorf, der zuständige Referent bei der IHK. Grund ist ein fast vergessener Tunnel der 2005 stillgelegten Anschlussbahn zum Osthafen. „Dieser Tunnel, der unter der Elsenbrücke verläuft, hält keine Schwerlasttransporte aus“, so Ostendorf. Dabei wurde die Brücke saniert.

Wieder eine Route weniger – zum Beispiel für Mobilkrane und für Lkw, die schwere Güter aus dem Siemens-Gasturbinenwerk, von MAN, Stadler und Borsig befördern. An einer IHK-Umfrage zum Thema nahmen im Frühjahr 20 Firmen teil. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der Berliner Wirtschaft. Bähr: „Bei fünf der befragten Industrieunternehmen sind mehr als 6 000 Arbeitsplätze direkt von Schwerlasttransporten abhängig.“ Die Zahl dieser Transporte steigt: Für dieses Jahr wird in Berlin mit rund 3 000 gerechnet – 2012 waren es 2 088.

Auf IHK-Liste der Problemstellen, die zügig entschärft werden müssten, steht die Rudolf-Wissell-Brücke ganz oben. Die längste Straßenbrücke Berlins, auf der die A 100 über die Spree führt, steht unter Beobachtung des Senats. Ostendorf: „Dort könnte jederzeit etwas passieren, was weitere Einschränkungen erfordert. Das wäre der Super-Gau.“ Für die Ringbahnbrücke am ICC gilt seit April ebenfalls eine Traglastbeschränkung. Jetzt ist die benachbarte Westendbrücke dazu gekommen, auch sie ist ein Teil der stark befahrenen Autobahn A 100.

Auf der Problemliste stehen auch die Autobahndreiecke Funkturm und Charlottenburg, die Putlitzbrücke in Moabit, die Lindenhofbrücke über dem Pankow-Zubringer A 114. Auch U-Bahn-Tunnel zwingen Schwerlasttransporte auf Umwege. „Im Süden Berlins sind solche Transporte besonders schwierig“, sagt Ostendorf. So hält die U 6, die unter dem Tempelhofer und dem Mehringdamm verläuft, keine großen Gewichte aus. Niedrige Tunnel, wie es sie im Verlauf der Schönefeld-Autobahn A 113 gibt, oder Fahrleitungen der Straßenbahn bilden weitere Hindernisse für große Lkw.

Zu wenig Geld für Instandhaltung

„Vor zehn Jahren war die Lage noch entspannter“, berichtet Ostendorf. Doch inzwischen bekämen die Unternehmen zu spüren, dass der Senat die Instandhaltung zurückgefahren hat. Ende der 1990er-Jahre standen für Brücken und Tunnel rund 20 Millionen Euro zur Verfügung. „2008 waren es nur noch 10,5 Millionen Euro – von denen lediglich 6,7 Millionen Euro ausgegeben wurden“, sagt Ostendorf. 2014 standen 8,5 Millionen Euro im Haushalt.

Der Senat beziffert den Investitionsrückstand auf 950 Millionen Euro. Die Lindenhofbrücke wird neu errichtet, für die drei Problembrücken auf der A 100 beginnen Neubauplanungen, die Triglawbrücke in Köpenick wird instand gesetzt. Allerdings bremst der Nachwuchsmangel die Tiefbauer aus. Es seien noch weitere Verbesserungen erforderlich, so die IHK. Vielen Firmen würde es helfen, wenn Transporte nicht mehr von der Polizei begleitet werden müssten – die oft nicht verfügbar sei. Ein Netz vorrangiger Routen sei notwendig. Und der Runde Tisch zum Schwerlastverkehr, der 2012 zum vorerst letzten Mal stattfand, müsse wieder tagen. Christian Ostendorf: „Hauptsache, wir sprechen miteinander.“