Berlin - Warum müssen Sportler beim Wasserski immer von Booten gezogen werden? Das fragt sich die Unternehmerin Gesine Eilrich aus Marienwerder im Landkreis Barnim schon lange. Sie hat zur Jahrtausendwende in Berlin den Elsensee in Kaulsdorf gekauft und will dort eine Wasserskianlage installieren. Fünf Stützen sollen aufgestellt und ein etwa 900 Meter langes Seil gespannt werden, angetrieben wird die Anlage von einem Elektromotor. Die Wasserskisportler werden dann auf einem Rundkurs über den Elsensee gezogen. Zudem will Gesine Eilrich ein Strandbad an dem früheren Baggersee eröffnen.

Seit 2001 wird geplant

Dass das Vorhaben realisiert werden kann, haben Gesine Eilrich und ihr Mann Volker bereits bewiesen. Sie betreiben seit Jahren eine ähnliche Wasserskianlage im Ortsteil Ruhlsdorf von Marienwerder. „Wir werden von vielen Besuchern auch aus Hellersdorf gefragt, wann wir endlich am Elsensee eröffnen. Es erschließt sich uns nicht, warum sich das Verfahren so ewig hinzieht“, sagt die 56-Jährige. Schon seit 2001 wird im Bezirk Marzahn-Hellersdorf die Sport- und Freizeitanlage am Elsensee mit Freibad und Wasserski geplant. Jetzt beschreitet Gesine Eilrich den Gerichtsweg und verklagt das Land vor dem Berliner Verwaltungsgericht.

Dabei geht es vorrangig um die Qualität des Wassers, damit der Elsensee nach den Richtlinien der EU als Badegewässer klassifiziert werden kann. Denn bisher wird Regenwasser von Straßen und Plätzen aus den umliegenden Siedlungen über den Rohrpfuhlgraben ungereinigt in den See geleitet – also auch viele Keime, etwa von Straßenschmutz und Blütenstaub. Gesine Eilrich verlangt vom Land, die Zuführung des Regenwassers zu unterlassen, weil es an einer wasserrechtlichen Genehmigung zum Einleiten fehle.

Der Elsensee gehört zu den Kaulsdorfer Seen und ist einer der wenigen Privatseen in der Stadt. Er liegt im Trinkwasserschutzgebiet des Wasserwerks Kaulsdorf und ist gut 13 Hektar groß. Bis 1995 wurden dort Sand und Kies für den Bau der großen Neubaugebiete in Marzahn und Hellersdorf industriell gefördert. 20 Jahre später hat sich die Landschaft zu einem Biotop entwickelt. Die Ufer sind dicht bewachsen, seltene Vögel sind im Schilf anzutreffen und brüten dort.

Eilrich „will den jungen Leuten Spaß bringen“

Politiker auch im Abgeordnetenhaus haben das Vorhaben mit Bad und Wasserski anfangs positiv aufgenommen, mittlerweile steht das Land dem aber ablehnend gegenüber. Das Bebauungsplanverfahren – dadurch sollte das Baden im See möglich werden – wurde im vergangenen Jahr vom Bezirk eingestellt. „Die Ziele sind aus rechtlichen und technischen Gründen nicht mehr erreichbar“, sagt Baustadtrat Christian Gräff (CDU). Das betreffe die Herstellung der Badewasserqualität, die Beeinflussung des Trinkwasserschutzgebietes sowie die Eingriffe in das Naturschutzgebiet.

Zudem hätten sich die Richtlinien für Badegewässer drastisch verschärft. Nach Gutachten des Landes würden auch teure Filteranlagen nicht dazu führen, dass der See Badewasserqualität erreichen könnte, so Gräff. Ein entsprechender Bescheid werde der Eigentümerin nun zugestellt.

Auch die Wasserbehörde bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sieht Eilrichs Pläne kritisch. „Der See liegt in einer Wasserschutzzone. Das Wasserwerk Kaulsdorf wird aus dem Grundwasser gespeist“, sagt Sprecherin Petra Rohland. Das bestätigt zwar Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. Doch er kommt zu einer anderen Einschätzung. Denn es handelt sich um eine Zone der Stufe 3. „Die geplanten Nutzungen wären möglich“, so Natz. Also Bad und Wasserski.

Trotz des langen Streits denkt Gesine Eilrich nicht daran, von den Plänen Abstand zu nehmen. „Ich sehe gar nicht ein, dass der Öffentlichkeit dieser Sport vorenthalten wird.“ Die Wasserskianlage werde nur im Sommer genutzt, sie mache keinen Krach, Anwohner und Tiere würden nicht gestört. „Ich will den jungen Leuten Spaß bringen.“