Berlin - Die geplante Wiederöffnung von Schulen in Berlin ab dem 22. Februar sorgt für gemischte Reaktionen bei Eltern und Schulpersonal. Fragt man etwa den Landeselternausschuss Berlin danach, ob er die bevorstehenden Grundschulöffnungen befürwortet oder ablehnt, zeigt sich, dass ein eindeutiges Meinungsbild schwierig ist. „Wir haben Eltern, die aufatmen und sich freuen, dass es wieder losgeht“, sagt der Vorsitzende Norman Heise. „Es gibt aber auch Eltern, die dagegen sind.“ Vor allem wegen der Begleitumstände: Vielen Erziehungsberechtigten sei beispielsweise unklar, wie die Durchführung der geplanten Schnelltests vonstattengehen soll.

Hierbei führe insbesondere der Ort der Testung bei den Eltern zu Bedenken. „Wird zu Hause getestet, stellt sich die Frage, wie zuverlässig das ist und ob das Ergebnis dann auch in der Schule kommuniziert wird“, sagt Heise. In der Schule dagegen sei zu vermeiden, dass es zu einem Superspreader-Event kommt, weil erst vor Ort getestet werde. Werden Kinder dann positiv getestet, müsse sichergestellt sein, dass sie nicht allein den Weg nach Hause antreten. „Man nimmt noch nicht wirklich mehr Sicherheit an den Schulen wahr“, sagt Heise.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), hatte am Mittwoch angekündigt, zumindest die Grundschulen in Berlin ab dem 22. Februar schrittweise wieder hochfahren zu wollen. Dafür setze man auf Wechselunterricht, Schnelltests und Masken. Müller kündigte den umfangreichen Einsatz von bald verfügbaren Selbsttests an. Auch Kitas sollen ab dann im erweiterten Notbetrieb wohl weiter geöffnet werden.

Der Senat wollte am Donnerstagabend zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um Details zu beraten. Auch wenn der Lockdown bundesweit bis 7. März verlängert werden soll, waren Bund und Länder am Mittwoch zu dem Ergebnis gekommen, dass Schulen im Februar wieder öffnen können.

Der Landeselternausschuss erwartet, dass die Fragen, die im Raum stehen, klar beantwortet werden. Und zwar bevor es losgeht. „Wenn Schnelltests eine Strategie sind, sollen sie bitte auch am 22. Februar zur Verfügung stehen. Es macht keinen Sinn etwas anzukündigen, wenn man die Sicherheit gar nicht geben kann“, so Heise.

Eine Anforderung, um den verloren gegangenen Stoff der letzten Monate aufzuholen, stellt Heise überdies an die Schulen. „Wichtig ist, dass man nach der Öffnung nicht sofort wieder Leistungsdruck erzeugt und Klassenarbeiten schreibt, sondern aufarbeitet, was zuletzt liegen geblieben ist.“

Sorgen um den verpassten Lehrstoff in der Pandemie

Bei den Schulen hingegen überwiegt die Erleichterung, dass die Schüler bald wieder zurückkehren, aber es gibt auch Sorgen um all den verpassten Lehrstoff in der Pandemie. „Es ist unglaublich wichtig, dass die Schulen bald wieder öffnen können und der persönliche Kontakt zu den Kindern hergestellt wird“, sagte ein stellvertretender Schulleiter einer Grundschule in Kreuzberg, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Es wird Zeit, dass die Schüler endlich wieder ein Stück Normalität erleben können.“

Viele Eltern seien mit der aktuellen Situation hoffnungslos überfordert. „Sie können das Homeschooling oft nicht vernünftig begleiten und am Ende trifft das die Kinder“, so die Befürchtung. „Die werden gerade ganz schön abgehängt, das macht mir sehr große Sorgen. Ich sage da ganz deutlich: Wir könnten das gesamte Schuljahr auch in die Tonne treten.“ Wie solle man Kinder demnächst auf die Oberschule schicken, wenn weder der Lernstoff noch Arbeitstechniken vermittelt werden konnten. „Das gibt mir und sicherlich vielen weiteren Schulleitern in Berlin zu denken.“

Auch Anke Peters, Schulleiterin der Kolibri-Schule in Marzahn-Hellersdorf, freut sich über die baldige Öffnung der Grundschulen. „Ich finde es wichtig, dass die Kinder wieder in die Schulen kommen, im Wechselmodell. So können wir auch Abstände besser einhalten.“ Zurzeit würden die Schulkinder zweimal die Woche in kleinen Gruppen in die Schule kommen, um ihren Wochenplan und ihre Arbeitsblätter abzuholen.

„Die Kollegen haben so auch die Möglichkeit, alle Kinder zu sehen“, berichtet Peters. „Das war uns wichtig hier im Brennpunkt Marzahn-Hellersdorf. Wenn wir merken, dass ein Kind ein zweites Mal nicht kommt, haben wir sofort angerufen, Sozialarbeiter eingebunden.“ Homeschooling habe für die älteren Grundschüler funktioniert. Das Problem seien die Erst- und Zweitklässler. „Man kann die nur sehr schwer digital beschulen. Da fehlt der Kontakt“, so Peters. „Darum ist es an der Zeit, dass gerade die Kleinen wieder in die Schule kommen.“

Wer soll die Kinder testen, wie wird kontrolliert?

Unsicherheit darüber, wie die Schulöffnungen vonstattengehen sollen, herrscht auch bei Karina Jehniche. Einerseits sei es gut, dass man wieder Präsenzunterricht für die Kinder anbieten könne. „Unsere Schule liegt in einem Brennpunkt und wir sehen die Gefahren des Homeschoolings“, sagt die Leiterin der Christian-Morgenstern-Grundschule in Spandau. „Wir wissen aber nicht, unter welchen Bedingungen wir hier Schule machen werden.“ Kann der Sportunterricht stattfinden? Wie gestaltet sich das Lüften in den Klassenzimmern, wenn die Temperaturen tagsüber weiterhin bei minus 10 Grad bleiben?

Jehniche spricht nicht nur über die Probleme an ihrer Schule. Die zweite stellvertretende Vorsitzende des Interessenverbandes Berliner Schulleitungen sorgt sich auch um die Organisation der Schnelltests. „Ich gehe davon aus, dass am 22. Februar keine Tests zur Verfügung stehen.“ Zudem sei es nicht vorstellbar, dass das Lehrpersonal die Kinder in der Schule testet. „Kein Lehrer ist bis übernächste Woche darin geschult.“ Wer also solle die Kinder testen? „Sollen wir eine Einlasskontrolle machen, bei der jedes Kind seinen Test vorzeigen muss?“, fragt Jehniche. Für den Moment hat sie wie einige Eltern und Lehrer noch viele offene Fragen.