Weißensee - Es war ein bunter Umzug, der sich am Sonnabendvormittag Richtung Spielplatz am Goldfischteich bewegte. Der liegt idyllisch in der Parkstraße in Weißensee direkt hinter dem Hotel „Derag Living“. Im Volksmund ist dieser beliebte Treff auch als „Schiffs-oder Piratenspielplatz“ bekannt. Doch seit Mai 2016 ist dieser Platz aus „sicherheitstechnischen Gründen“ gesperrt und mit einem hässlichen Zaun umgeben. Getan hat sich seitdem nichts! Viele Eltern mit Kinderwagen, an denen Trauben bunter Luftballons hingen, kamen zusammen, um ihren Unmut über die Situation auf vielen Spielplätzen in Weißensee auszudrücken. Das geschah friedlich und mit einer symbolischen Aktion.

Die erst im Februar von Uwe Scholz und Paul Rose gegründete Elterninitiative „Ja! Spielplatz!“ hatte aufgerufen, mit Kindern zum gesperrten Platz zu kommen. Dort wurden Luftballons aufgeblasen. Auf ein Signal hin stiegen sie über dem Metallzaun auf. Motto: „Zäune überwinden“. Rund 250 Bewohner aus Weißensee, inklusive Kindern, waren gekommen. Uwe Scholz freute sich über das große Echo und wird sicher bald noch mehr Eltern in seiner Initiative aufnehmen können. 160 Leute machen bislang aktiv mit.

„Wir sehen uns auch mit in der Verantwortung für den Kiez"

Die Situation ist prekär. „Ende 2017 waren rund um die Berliner Allee sechs Spielplätze gesperrt, fünf davon mit dem Status ,Eröffnung in nicht absehbarer Zeit!’ versehen“, sagt Scholz. Im Moment ist nur der sogenannte „Spielplatz Weißensee 1“, zwischen Berliner Allee und dem Weißen See gelegen, voll nutzbar. Der war im vergangenen Jahr nach acht Monaten Bauzeit wiedereröffnet worden. Rund 150.000 Euro hat das Bezirksamt investiert. Oft ist der Platz aus Mangel an Alternativen überfüllt. Scholz und seine Mitstreiter wollen endlich „greifbare Fortschritte.“ Man habe natürlich mit Politikern gesprochen, sei aber nicht vorangekommen.

Die Lage an dem beliebten Spielplatz am Goldfischteich ist frustrierend für die Anwohner, von denen viele junge Eltern sind. Angeblich soll dort laut Bezirksamt im Jahr 2018 nichts mehr passieren und die Kosten für die Sanierung sollen rund 220.000 bis 250.000 Euro betragen. Jan Schimmelpfennig, Direktor des angrenzenden Hotels hält diese Zahl für unrealistisch und zu hoch. Der 38-Jährige möchte sich noch stärker einbringen und sagt: „Wir sehen uns auch mit in der Verantwortung für den Kiez und wollen, dass der schöne Spielplatz für die Kinder der vielen Gäste unseres Biergartens zur Verfügung steht, der sich gleich nebenan befindet.“

150 Spielplätze in Pankow sanierungsbedürftig

Nepomuk Riva schob einen Kinderwagen mit Tochter Valeska und einem Dutzend Luftballons. „Das ist so ein beliebter Spielplatz, ruhig und in schöner Umgebung. Die lange Sperrung ist nicht hinnehmbar. Weißensee wirbt immer mit dem Slogan, ein familienfreundlicher Bezirk zu sein. Aber die Grundausstattung fehlt.“ Auch Inga Nickel wollte sich mit ihrem zweieinhalbjährigen Töchterchen Hedi mit der Idee der Elterninitiative solidarisieren. „Diese Gemeinschaft hier macht Mut, dass vielleicht bald etwas passiert“, sagte sie. Und Paul Rose, Mitgründer der Initiative, will dem Bezirksamt „auf die Füße treten, damit etwas in Bewegung kommt.“

Laut Elterninitiative gibt es im gesamten Bezirk Pankow 220 Spielplätze, von denen 150 sanierungsbedürftig sind. Eine Statistik, die die Initiative vorlegte, zeigt, dass die Situation in Pankow, Weißensee und Lichtenberg am kritischsten ist. Denn in Treptow-Köpenick, Neukölln, Charlottenburg-Wilmersdorf und in Reinickendorf seien alle Spielplätze nutzbar.

„Mehr Geld, mehr Personal, mehr Ideen"

Uwe Scholz, der am Sonnabend die Aktion per Megafon leitete, will nun konkret schnelle Verbesserungen am Goldfischteich. Ziel sei es, im Mai eine Teileröffnung zu erreichen. Zuerst sollen in Eigeninitiative mit Hilfe der Eltern und auch des Derag-Hotels die alten Geräte abgebaut und danach ein neues Spielgerät angeschafft werden, dessen Kauf Hoteldirektor Schimmelpfennig mit 10.000 Euro unterstützt.

Dann könnte der Platz solange genutzt werden, bis der Bezirk den Spielplatz mit eigenen Mitteln saniert. Schimmelpfennig: „Auch der Pankower Wirtschaftskreis will uns unterstützen.“ Uwe Scholz sagt: „Pankow braucht mehr Geld, mehr Personal und mehr Ideen!“ Neue Ideen wurden jedenfalls am Sonnabend am Weißenseer Goldfischteich geboren. Die Initiative „Ja! Spielplatz!“ wird sicher weiteren Zulauf bekommen.