Berlin - Das gilt auch und gerade vor dem heutigen Spiel der deutschen Elf gegen den „Lieblingsgegner“ Holland. In der komplett in Orange ausstaffierten holländischen Snackbar De Molen („Die Mühle“) in Friedrichshain muss sich der passionierte Oranje-Fan und Imbissbesitzer Uwe Hübner Sprüche von Deutschland-Fans gefallen lassen. Auch er teilt aus. Als sein Lieferant ruft: „Na, verliert ihr schön gegen uns?“, kontert Hübner: „Nimm doch mal dein dämliches Grinsen aus dem Gesicht!“

Die Gäste, die bei Frikandel und Vleeskroket (frittierten Würstchen und Fleischkroketten) sitzen, lauschen den Fachsimpeleien über die Chancen der Niederlande. Für Uwe Hübner ist klar: „Mittwoch Abend müssen wir einfach gewinnen.“ Den Holländern droht im zweiten Vorrundenspiel bereits das frühe EM-Aus. „Wir müssen uns steigern und aus den ganzen Stars eine Mannschaft machen“, analysiert Hübner.

Public Viewing mit Heineken und Snacks

Der 52-jährige Imbissbetreiber wurde in Berlin geboren, wuchs aber in Amersfoort in der niederländischen Provinz Utrecht auf. Vor 20 Jahren kam er nach Berlin zurück – der Liebe wegen. 2008 eröffnete er die einzige holländische Snackbar Berlins in der Neuen Bahnhofstraße nahe dem Ostkreuz.

Mit dem Herzen, sagt er, sei er immer noch Holländer und deshalb ist es für ihn keine Frage, dass er Mittwoch Abend Arjen Robben und Klaas-Jan Huntelaar die Daumen hält. In seinem Imbiss guckt er das Spiel mit 70 Oranje-Fans, die Heineken trinken und seine Snacks verputzen.

Selbstverständlich hofft Hübner auf einen Sieg seines Teams. Die Auftaktniederlage gegen Dänemark war schmerzhaft genug. Aber er wird heute wieder in sein Oranje-Trikot schlüpfen und ein bisschen sehnsüchtig auf das Poster an der Wand blicken, auf dem die Holland-Elf von 1988 abgebildet ist, die seinerzeit Europameister wurde. Auch 2012 sei das möglich, sagt Hübner: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Mittwoch Abend werden alle Plätze im De Molen belegt sein. Kein Wunder, leben doch 4400 Niederländer an der Spree. Viele werden im Prater in Prenzlauer Berg oder auf der Fanmeile das Spiel verfolgen. Ins De Molen kämen zum Public Viewing sogar Exil-Holländer aus München, sagt Hübner, der auch die holländische Botschaft in Berlin mit seinen Pommes („Frietjes“) beliefert.

„Das Spiel ist halt ein Klassiker“, sagt der Wirt. Von Erzrivalentum will er aber nichts wissen. „Das wird nur in Deutschland so hochgespielt.“ Rivalität empfinde er eher gegenüber Portugal. Da seien noch Rechnungen offen: „Die haben uns 2004 und 2006 aus dem Turnier geworfen.“