„Schwarze Geschichte wird zu wenig erzählt“: Der Black History Month in Berlin

Im Februar bieten jedes Jahr weltweit Organisationen Bildungsveranstaltungen an, um an Schwarze Geschichte zu erinnern. Diese Events gibt es in Berlin.

Das May-Ayim-Ufer in Berlin erinnert an eine afrodeutsche Dichterin.
Das May-Ayim-Ufer in Berlin erinnert an eine afrodeutsche Dichterin.Sabine Gudath

Deutsche Geschichte ist auch Schwarze Geschichte. Schwarze Menschen leben seit mehreren Jahrhunderten in Deutschland. Bis auf die Verschleppung und Versklavung in Amerika lernen wir aber recht wenig über Schwarze Geschichte. Sogar die deutsche Kolonialgeschichte ist in Vergessenheit geraten und im Geschichtsunterricht immer noch ein Wahlthema. Beim Black History Month geht es darum, Schwarze Geschichte zu zelebrieren. Das bedeutet vor allem auch auf die Widerstandskämpfe hinzuweisen und sie aus vielen Perspektiven zu erzählen statt nur mit dem westlichen Blick.

„Schwarze Geschichte wird viel zu wenig erzählt“, sagt Joshua Kwesi Aikins, der an der Universität Kassel zu Entwicklungspolitik und postkolonialen Studien forscht. Er pendelt gerade wieder zurück nach Berlin, als er mit der Berliner Zeitung spricht. „Um die Gegenwart zu verstehen, müssen wir diese Geschichte kennen. Sie ist für alle Menschen in Europa relevant.“ Die Verbindungen wirkten sich bis heute auf Kultur, Sprache und Politik aus, erklärt er weiter. Er nimmt dabei auch Bezug auf Neokolonialismus, Anti-Schwarzen Rassismus und Benachteiligungen. Schwarze Menschen werden seiner Meinung nach noch zu selten als kreativ, widerständig und mit eigener „Kosmovision“, also Sicht auf die Welt, dargestellt.

„Schwarze Geschichte ist für alle relevant“

Jedes Jahr im Februar feiern Menschen weltweit den Black History Month mit Veranstaltungen, die auf vielfältige Art an Errungenschaften Schwarzer Menschen erinnern. 1962 rief der afroamerikanische Historiker in den USA erstmals zu einer Black History Week auf, Schulen, Universitäten und Museen weiteten diese bald auf einen Monat aus. In den 1990er-Jahren führte die Initiative Schwarzer Menschen den Black History Month auch in Deutschland ein. Seitdem veranstalten vor allem afrodeutsche jedes Jahr 28 Tage lang Bildungsaktionen und Community-Events.

„Heute hat die afrodiasporische Community die Möglichkeit, sich zu vernetzen“, sagt Joshua Kwesi Aikins. Es gehe beim Black History Month um Selbstbestimmung und Ermächtigung. Auch in Berlin gibt es viele Veranstaltungen zum Thema. Das Bildungs- und Empowermentprojekt Each One Teach One lädt beispielsweise zu verschiedenen Vorträgen und Treffen ein, Zewdi bietet Stadtführungen an und es gibt Lesungen, Konzerte und Theater.