Diese Nachricht wird vor allem Berlin-Touristen freuen, aber auch Berliner auf der Suche nach Entertainment: Das längst international bekannte Mauerpark-Karaoke des Iren Joe Hatchiban kann ab sofort wieder stattfinden. Wegen der Pandemie hatte die stets bestens besuchte Veranstaltung auf der Kopfsteinpflaster-Bühne im Mauerpark in Prenzlauer Berg mehr als zwei Jahre pausiert.

Doch an diesem Sonntag geht es wieder los: Dann darf Hatchiban mit Genehmigung des Bezirks Pankow wieder die Sonntage der Saison bespielen, theoretisch bis Mitte Oktober. Mittlerweile ist die Singe-Sause vor großer Kulisse eine Institution, seit 2009 schon ist Hatchiban mit seinem mobilen Sound-System in Berlin unterwegs, um Menschen dabei zu helfen, ihre innere Rampensau zu entfesseln. Am Sonntagnachmittag findet er seine Stars im Amphitheater im Mauerpark.

Wer sich vor den gut gefüllten Rängen auf die Bühne traut, bekommt tosenden Applaus, besonders wenn er gut oder wenigstens originell ist. Einige Lieder, so viel ist im Karaoke-Universum sicher, werden in diesem Sommer garantiert mehrfach zu hören sein. Wenn Sie also schon mal üben wollen, hier kommt unsere Playlist der niemals totzukriegenden Karaoke-Songs.

1. Whitney Houston: „I Will Always Love You“

Gekommen, um zu scheitern. Das sollte Ihr Motto sein, wenn Sie den Jahrhundert-Heuler von Whitney Houston anstimmen: Sie werden die glasklaren, unverschliffenen Höhen von Houstons Ausnahmeorgan ohnehin nicht erreichen.

Aber das sollte niemandem den Spaß an dem Hit aus dem doch recht sämigen Film „Bodyguard“ mit Kevin Costner verderben. Denn wem das Herz nicht bricht beim Refrain „... and I will always love youuuuuuuuuuuhuhuhuhuhuhuuuuuuu“, der hat keines und ist hier fehl am Platze! Marcus Weingärtner


2. Queen: „Bohemian Rhapsody“

Das Billboard Magazine hat erst kürzlich eine Liste erstellt mit den 20 beliebtesten Karaoke-Tracks. Überraschenderweise hat es neben Pop-Evergreens und Disney-Kitsch nur ein einziger Rocksong in die Liste geschafft: „Bohemian Rhapsody“ von Queen.

Dafür hätte es allerdings keine Auswertung von Musikmaschinen-Herstellern gebraucht, jeder, der schon mal in einer Karaoke-Bar gesungen oder bei Singstar mitgeträllert hat, weiß: Der Track aus dem 1975 erschienenen Album „A Night At The Opera“ genießt Kultstatus. Dabei ist er beim Karaoke maximal nervtötend, wer will schon geschlagene sechs Minuten lang schiefe Töne hören? Auch die Textpassagen geraten in schöner Regelmäßigkeit falsch: Aus „Mama mia, let me go“ wird schnell ein „Mama mia, Mexico“, und spätestens bei der „Galileo, Figaro, magnificoo“-Schleife sind eh alle raus, die nicht Freddie-Mercury-Wissenschaften studiert haben. Überlegen Sie es sich also gut, ob Sie mit dem Beelzebub Fandango tanzen wollen – und tun Sie es, wenn dann, mit voller Überzeugung und Verve. Anne Vorbringer


3. Mariah Carey: „Hero“

Beim Karaoke kommt es nicht nur auf Stimme und Textsicherheit an, sondern auch auf die Performance. Am Vortrag von Mariah Careys Schmachtfetzen „Hero“ etwa kann man gut ablesen, wer in den Neunzigern seine Zeit damit verbracht hat, stundenlang MTV-Videos zu gucken. Der in Karaoke-Bars gern bis zum Erbrechen strapazierte Megahit lief damals im Musikfernsehen rauf und runter, und einer zu dieser Zeit noch wunderbar natürlich aussehenden Mariah Carey mochte man auch bei der drölfzigsten Wiederholung noch dabei zusehen, wie sie die Arme hob und wieder sinken ließ, an den richtigen Stellen die Augen schloss und schüchtern lächelnd den Lockenkopf zur Seite neigte. Eine wohlorchestrierte Choreografie, die es sich einzustudieren lohnt. Schließlich ist das der einzige Weg, an die fünffache Grammy-Gewinnerin heranzukommen.

Oder verfügen Sie über einen Stimmumfang von fünf Oktaven und die Fähigkeit, im Pfeifregister zu singen? Nein? Wir auch nicht. Anne Vorbringer


4. Kiss: „I Was Made for Lovin’ You“

Sollte es mit Ihrer Bühnenpräsenz nicht so weit her sein, dann stampfen Sie einfach mit den Füßen auf und brüllen: „I Was Made for Lovin’ You, Baby, I Was Made for Lovin’ You!“ Denn um viel mehr geht es im Tanzbodenbumser der amerikanischen Rock-Band Kiss von 1979 auch gar nicht.

Der Song, ein fantastischer Mitgröler für die Ewigkeit, war, wie alle Hits des Grusel-Quartetts, eigentlich nur ein Vehikel für ihre exzentrische Bühnenshow, Make-up-Masken, Schlabberzunge, Dracula-Umhang und SM-Anleihen inklusive. Die Ideen dazu haben sich Kiss übrigens bei der wesentlich unkonventionelleren und aufregenderen New Yorker Proto-Punk-Band The New York Dolls abgeschaut und die Cowboyboots flugs gegen flammenspuckende High Heels in zeitlosem Dragqueen-Drachendesign eingetauscht.

Also falls Sie nicht singen können: Mit so einem Outfit spielt das (fast) keine Rolle. Und wenn Sie dann in einem Latex-Spandex-Lurex-Outfit Luftgitarre spielend die Stufen des Theaters im Mauerpark hinabsteigen, werden Ihnen die Herzen ohnehin zufliegen, versprochen! Marcus Weingärtner


5. Abba: „Waterloo“

Wenig kann schiefgehen mit Abbas „Waterloo“, denn keiner wird Sie singen hören. Das liegt daran, dass das Publikum den Refrain lauter kreischt als Sie auf der Bühne. Aber Vorsicht, denn die Stücke des legendären und vor kurzem wieder vereinten Quartetts aus Schweden sind ein Albtraum für jeden Hobbybarden und jede Amateursängerin. Nicht weniger als drei Oktaven umspannen die meisten Hits von Abba, da ist der Grandprix-Sieger „Waterloo“ (1974) noch einer der simpleren Songs.

Aber machen wir uns doch nichts vor, denn am Ende geht es beim Abba-Karaoke immer nur um eine Frage: Wer darf Agnetha sein und wer Anni-Frid? Marcus Weingärtner


6. Marianne Rosenberg: „Er gehört zu mir“

Deutsche Songs bergen auf der Karaoke-Bühne ein gewisses Risiko. Schnell wird es prollig-peinlich oder sämig-schlageresk. Auch bei Marianne Rosenbergs Evergreen „Er gehört zu mir“ von 1975 können wir für nichts garantieren. Aber bei einigen Passagen des Liedes haben Sie zumindest die Möglichkeit, mit dem Publikum zu interagieren. (Sie:) „Nie vergess ich unsern ersten Tag“ – (Alle:) „Na na na na na na“ – (Sie:) „Denn ich fühlte gleich, dass er mich mag“ – (Alle:) „Na na na na na na na“ – (Sie:) „Ist es wahre Liebe?“ – (Alle:) „Uhuhu“ – (Sie:) „Die nie mehr vergeht“ – (Alle:) „Uhuhu“ …

Beherrschen Sie dann noch den Stimmungskanonen-Move, das Mikrofon an den richtigen Stellen ins Publikum zu schwenken, dann wird der Mauerpark Ihnen gehören. Garantiert. Anne Vorbringer