Energetische Sanierung: Wärmedämmung ist Pflicht und wird gefördert

Berlin - Hauseigentümer sollten einen Blick in ihren Dachboden werfen: Für zugängliche, aber nicht begehbare Räume unterm Dach ist nach der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) seit dem 1. Januar eine Wärmedämmung vorgeschrieben. Das soll die Heizkosten für Mieter senken. Ausgenommen sind Dachböden mit isolierenden Holzdecken wie in vielen Altbauten. Betroffen sind nach Schätzung des Verbandes Haus & Grund vor allem Häuser aus den Baujahren 1950 - 1968, die ungedämmte Betondecken besitzen.

Einen Überblick darüber, wie viele Dächer in Berlin der Vorschrift entsprechen, hat der Senat nicht, wie er auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Andreas Otto einräumte. Auch über öffentliche Gebäude gebe es keine Daten, teilte die Stadtentwicklungsverwaltung mit. Hausbesitzer, die die EnEV ignorieren, können dies der Senatsantwort zufolge entspannt tun: Kontrollen werden demnach nur vorgenommen, wenn einem der zuständigen bezirklichen Bauaufsichtsämter eine Beschwerde vorliegt. Beschwerden von Mietern seien aber selten, heißt es in den Behörden, denn die Kosten für die Dämmung können auf die Mieter umgelegt werden. In den Baubehörden spricht man offen von einer völlig zahnlosen Vorschrift, da es kein Personal für die Kontrollen gebe. „Das ist wie ein Parkverbot, das garantiert nie ein Polizist kontrolliert.“

Stichprobenartige Kontrollen

Andreas Otto fordert, angesichts des erheblichen Energieeinsparpotenzials im Gebäudebestand und der steigenden Heizkosten in Berlin müsse die Einhaltung der EnEV zumindest stichprobenartig kontrolliert werden. Das interessiere den rot-schwarzen Senat aber genauso wenig wie zuvor den rot-roten.

Haus & Grund-Sprecher Dieter Blümmel rät Hauseigentümern, aus Eigeninteresse die Dachgeschossdecken zu dämmen. „Das rechnet sich in kurzer Zeit.“
Der Senat beschloss am Dienstag, energetische Sanierungen und andere Baumaßnahmen mit einem neuen Programm der Investitionsbank Berlin (IBB) zu fördern. Das Programm, das am 1. März starten soll, heißt „Wohnraum Modernisieren“ und ersetzt eine Fördermaßnahme der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Der Bund hatte dieses Förderprogramm gestrichen. In Berlin wurden daraus von Hauseigentümern rund 40 Millionen Euro abgerufen. Das neue IBB-Programm werde keinen Deckel nach oben haben, teilte die IBB mit. Das Geld soll am Kapitalmarkt aufgenommen werden.

Das Förderangebot richtet sich an private Vermieter, an Genossenschaften, Wohnungsunternehmer sowie an selbstnutzende Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern und Wohneigentumsgesellschaften. Förderfähig sind neben Dämmung und Austausch der Fenster unter anderem die Erneuerung der Heizungstechnik, Dachgeschossausbauten, Lärmschutzmaßnahmen und auch Umbauten zur Barrierereduzierung, etwa durch den nachträglichen Ein- oder Anbau von Aufzügen oder Treppenliften. Voraussetzung für die Förderung ist die Bauausführung durch eine Fachfirma des Bauhandwerks. Eigenleistungen sind nicht förderfähig.

Blümmel begrüßte das Programm „grundsätzlich“, ebenso Mietervereinschef Reiner Wild – wenn es ausreichend finanziert sei. Es sei gut, die Förderung bei der IBB in Berlin anzusiedeln, sagte Blümmel. Die Darlehen würden sich letztlich lohnen, da es Arbeit für Handwerker und damit Steuereinnahmen gebe, außerdem werde der Gebäudebestand auf zeitgemäßen Stand gebracht. Allerdings schwant ihm: „Ich fürchte, wir werden nicht genug Geld für alle Antragsteller haben.“