Energiespar-Ode an Robert H.: Sein Rat ist mir Befehl

Seit der Wirtschaftsminister gesagt hat, dass wir alle Energie sparen sollen, um der Ukraine zu helfen, bemüht sich unsere Autorin darum. Mit kleinen Erfolgen.

Robert Habeck redet uns Deutschen ins Gewissen.
Robert Habeck redet uns Deutschen ins Gewissen.dpa

Ich denke oft an Robert H., vor allem beim Energiesparen. Seit fast drei Wochen ist mein Duschwasser zwei Grad kälter als früher. Ich habe den Durchlauferhitzer runtergestellt, nachdem der deutsche Wirtschaftsminister appelliert hatte: „Jede eingesparte Kilowattstunde Energie hilft.“ Das mit dem Wasser-Stopp während des Einseifens kriege ich noch nicht so hin. Es ist zu kalt. Bitte um Verzeihung.

Was Robert H. gesagt hat, beschäftigt mich sehr. Vor allem dieser Satz: „Wer Gas oder Energie insgesamt einspart, hilft der Ukraine.“ Weil Russland dann kein Gas und Öl mehr an uns verkaufen kann. Unter meinen Mitmenschen habe ich mich unbeliebt gemacht, als ich vom Esstisch aufstand, um im Flur das Licht auszumachen. Sie erklärten mir, Lampen verbrauchen wenig Strom. Meine Argumentation, dass jedes bisschen Einsparen hilft, verfing nicht bei ihnen.

Bei anderen saß ich tapfer stundenlang da und schwitzte. Draußen Minusgrade, drinnen knallwarm. Ich habe nichts gesagt. Die haben Gasheizung, ich weiß es genau, aber ich verkneife mir das Besserwissen. Bitte, Herr Energieminister, ich kann nicht alle vergraulen.

Meine Ökobilanz ist nicht perfekt

Dass ich morgens in der halb dunklen Wohnung umhergehe und mich anziehe, ist ungewohnt, aber ohnehin bald vorbei, wenn es früher hell wird. Zwei Kerzen werde ich mir weiter erlauben, die sind drin. Wobei: Wie werden Kerzen hergestellt, wohl auch mit Energie? Ausschließlich bei gefährlichen Aktionen wie dem Wimperntuschen schalte ich das Licht an. Partiell.

Soll man aus den dreistrahligen Deckenleuchten im Flur und im Bad eine Glühbirne rausdrehen? Bringt es das? Merkt man es? Ich wäge ab, den ganzen Tag lang, immer wieder. Wenn auch meine Ökobilanz nicht perfekt ist, mein moralisches Gewissen ist blitzend rein. So müssen sich die preußischen und deutschen Frauen 1813 und im Ersten Weltkrieg gefühlt haben, als sie Gold für Eisen gaben. Werter Robert H., was bekomme ich für mein Wohlverhalten? Eine Brosche? Eine Medaille?

Was ich mir zu Weihnachten wünsche? Autofreie Sonntage. Auf der A100 zu radeln, das bringt bestimmt Spaß. Natürlich bin ich deshalb auch für den Weiterbau der A100. Da wird eine Menge Energie verbraucht? Was sagt Robert H.? „Wir werden ärmer werden.“

Wie halten Sie es mit dem Energiesparen? Bitte schreiben Sie an: susanne.duebber@berlinerverlag.com