Potsdam - Windräder oder Atomkraftwerke? Öl oder Sonnenkraft? Wie die Energie der Zukunft gewonnen wird, ist eine schwer zu beantwortende Frage. Eine Sache aber ist ganz einfach: das Energiesparen. Und das bringt auch noch Geld. Jedenfalls ist das die Idee, die hinter einem ungewöhnlichen Schulprojekt in Brandenburg steht.

Fifty-fifty heißt das Vorhaben, das beispielsweise im Kreis Märkisch-Oderland praktiziert wird: Es geht darum, dass Schüler und Lehrer in ihrer Schule danach suchen, an welchen Stellen sie Energie verschwenden, und dass sie dann ihr Verhalten entsprechend ändern. So reduzieren sie die Stromkosten für den Schulträger – in diesem Fall den Kreis – ganz enorm. Und weil der sich darüber so freut, zahlt er den Schulen als weiteren Sparanreiz die Hälfte des gesparten Geldes aus. Das wiederum freut die Schüler.

Einfache Methoden zum Energiesparen

„Die Sache ist eigentlich ganz einfach und kennt nur Gewinner, außer die Stromerzeuger“, sagt Michael Jungclaus, der für die Grünen im Potsdamer Landtag sitzt. Das Projekt sei im Schuljahr 2008/2009 an den Schulen in Trägerschaft des Kreises eingeführt worden. „Seither konnte der Kreis 140.000 Euro einsparen, davon bekamen die Schulen 55.000 Euro“, sagt Jungclaus. Er hat die Einsparsumme einmal pauschal auf alle 14 Kreise und die vier kreisfreien Städte hochgerechnet und kommt auf ein landesweites Ersparnispotenzial von fünf Millionen Euro innerhalb von zwei Jahren.

Deshalb hat Jungclaus im Landtag beantragt, das Projekt im gesamten Land umzusetzen. „Der Antrag wurde aber von Rot-Rot abgelehnt“, sagt er. „Begründung: Nicht das Land, sondern die Kreise seien zuständig, das Land könne nicht in die Hoheit der Schulträger eingreifen.“

Die Methoden zum Energiesparen, auf die die Schüler achten sollen, sind einfach: kein Dauerlüften, sondern nur Stoßlüften. In den großen Pausen das Licht in den Klassenräumen ausschalten. Alle Lichtschalter beschriften, damit nicht immer gleich alle Lampen angeschaltet werden, obwohl an der Fensterseite des Klassenraums gar kein zusätzliches Licht gebraucht wird. Bewegungsmelder in den Toiletten anbringen, damit das Licht erlischt, wenn alle den Raum verlassen haben. Außerdem sollten Hausmeister die Heizanlage so steuern, dass sie nicht die ganze Nacht und am Wochenende voll heizt. „Wichtig ist nicht nur das Energiesparen in der Schule“, so Jungclaus. „Die Kinder werden für das Problem sensibilisiert, sie reden darüber mit ihren Eltern. Und sorgen dafür, dass auch zu Hause Energie gespart wird.“

Fortbildung für die Schüler und Lehrer

Anfangs sei es auch in Märkisch-Oderland nicht ganz einfach gewesen, das Projekt durchzuboxen, erzählt Jungclaus. Er sei auf die Idee gestoßen, als sein Heimatort Neuenhagen nach Zukunftsprojekten suchte. Er sorgte mit anderen dafür, dass zuerst das Gymnasium seines Sohnes kräftig Strom sparte. Voraussetzung dafür war eine Fortbildung für die Schüler und Lehrer. Anfangs sträubte sich der Kreis mitzumachen, doch dann rechnete der Kreiskämmerer das Einsparpotenzial aus und war überzeugt.

„Wir haben mit dem Projekt richtig gute Erfahrungen gemacht“, sagt Kreissprecher Tobias Seyfarth. „Es ist auch für alle anderen Kreise nachahmenswert.“ Selbst die Energiefirmen würden das Projekt aus Prestigegründen unterstützen, außerdem gehöre die öffentliche Hand zu den größten Stromabnehmern, mit dem es sich niemand verscherzen wolle. Der Erfolg sei inzwischen so groß, dass sich nun auch Schulen beteiligen, die nicht in der Trägerschaft des Kreises sind.

Eine Umfrage der Berliner Zeitung ergab, dass die anderen Kreise und kreisfreien Städte noch zögern: Der Kreistag von Teltow-Fläming beschloss immerhin im Dezember, dass sich alle elf Schulen beteiligen. In Elbe-Elster sollen vier der 21 Schulen die Sache testen testen.

Da sich das Land für das innovative Projekt nicht zuständig erklärt, hofft Jungclaus nun, dass die Städte und Kreise – vor allem aber Eltern und Schüler – selbst aktiv werden. „Hilfreich wäre es natürlich, wenn es im Bildungsministerium einen zentralen Ansprechpartner gäbe, der vor allem die Fortbildung koordiniert“, sagt er. „Für die Landesregierung wäre es doch auch einfach, für dieses Projekt einen landesweiten Schulwettbewerb auszurufen.“