Bei der Suche nach dem vier Jahre alten Mohamed hat die Polizei ihre Ermittlungen intensiviert. Am Dienstag wurde eine Sonderkommission im Landeskriminalamt gebildet. Sie heißt „Soko Mohamed“. Nun befassen sich je nach Bedarf bis zu 50 Beamte mit diesem Fall.

Mittlerweile schließen Ermittler nicht aus, dass die Entführung im Zusammenhang mit Kinderprostitution steht. Es gebe entsprechende Hinweise, die jedoch nicht öffentlich mitgeteilt würden, so Polizisten. Bisher hatten die Fahnder angenommen, dass mit der Entführung ein Bleiberecht der Familie in Deutschland erzwungen werden sollte. Die Version scheint nun vom Tisch zu sein.

Der vier Jahre alte Mohamed ist seit dem 1. Oktober dieses Jahres verschwunden. Der Junge war mit seiner Mutter an diesem Tag auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) in der Turmstraße in Moabit. Die Mutter hatte einen Termin in der Behörde, um Unterhaltsleistungen abzuholen. Als sie einen kurzen Augenblick nicht auf ihren Sohn achtete, verschwand er. Sie informierte sofort Sicherheitsleute und die Polizei. Die Suche nach dem Kind blieb erfolglos. Noch am selben Tag wurde der Junge als vermisst gemeldet.

Mittlerweile steht fest, dass Mohamed am selben Tag an der Hand eines 35 bis 50 Jahre alten Mannes auf dem Lageso-Gelände gesehen wurde. Der Mann trug eine Brille und einen Bart. Er wurde von einer Überwachungskamera gegen 14.40 Uhr gefilmt, als er das Gelände zusammen mit dem Kind in Richtung Turmstraße verließ. Der schlanke, vermutlich deutsche Mann lief mit dem Jungen zum U-Bahnhof Turmstraße und verschwand dort in einer U-Bahn. Die Polizei fand inzwischen auch heraus, dass sich der selbe Mann im Juni und im Juli dieses Jahres bereits mehrmals auf dem Lageso-Gelände aufhielt. Allerdings hatte er damals keine Kinder dabei. Das beweisen ebenfalls Bilder aus einer der Überwachungskameras.

Nun sind die Ermittler dabei, Bilder aus den Kameras in der U-Bahn auszuwerten. Details wurden nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich am Dienstag nicht zu den Vermutungen der Ermittler zu kinderpornografischen Motiven der Entführung. Mittlerweile sind 130 Hinweise zur Entführung des vier Jahre alten Kindes oder zu dessen Entführer eingegangen.