Wie stolz waren die Frauenpolitikerinnen der großen Koalition vor anderthalb Jahren als das Entgelttransparenzgesetz im Bundestag verabschiedet wurde! Oder haben sie einfach nur ihr Gesicht wahren wollen? Es gab ja damals schon genug Kritik an dem zahnlosen Tiger, der – vor allem – Frauen helfen sollte, ihre Ansprüche auf gleiche Bezahlung umzusetzen. Dazu muss man natürlich wissen, ob die männlichen Kollegen mehr verdienen als man selbst. Freiwillig sagt das ja keiner, also sollte ein Auskunftsanspruch festgeschrieben werden, der Frauen die nötigen Zahlen an die Hand gibt, ohne die eine Diskriminierungsklage sinnlos ist.

Das Entgelttransparenzgesetz gilt erst ab einer Betriebsgröße von 200 Mitarbeitern

Doch dann wurde der ambitionierte Referentenentwurf mehr und mehr verwässert. Mittelstandspolitiker der Union brüsten sich heute noch damit, dass sie seinerzeit „das Schlimmste“ verhindert hätten. Das Gesetz gilt erst ab einer Betriebsgröße von 200 Mitarbeitern. Die betroffenen Frauen bekommen außerdem nur einen Mittelwert mitgeteilt, der aus dem Gehalt von sechs Kollegen errechnet wird, damit das mit der Transparenz nicht ausartet. Und um das Ganze so richtig absurd zu machen, gelten all diese schönen Neuregelungen nur für Festangestellte.

Entgelttransparenzgesetz in der Praxis gescheitert

Und so kam, was kommen musste: Beim ersten Praxistest fällt das Gesetz komplett durch. Da wagt sich eine Reporterin vor Gericht, weil sie festgestellt hat, dass ihre männlichen Kollegen, die die gleiche Arbeit machen, mehr verdienen als sie. Eine Tatsache, die niemand bestreitet. Trotzdem wird ihre Klage abgewiesen. Weil die schönen neuen Regelungen in ihrem Fall leider keine Anwendung finden. Danke an den Gesetzgeber – für nichts.