Berlin - Wissen die Fahrgäste noch, wie das ist: im Bus vorne einsteigen? Die Zeichen stehen gut, dass das schon bald wieder möglich ist. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) hält man es für denkbar, dass der Vordereinstieg demnächst geöffnet wird - im Gespräch ist nun der 12. Juli. Dann soll es auch wieder möglich sein, Fahrscheine im Bus zu kaufen, heißt es bei dem Landesunternehmen. Allerdings wie angekündigt nur mit Karte oder Handy. Personalvertreter hatten darauf gepocht, dass die vordere Tür so lange geschlossen bleibt, bis erwiesen ist, dass das Fahrpersonal keinem Ansteckungsrisiko ausgesetzt wird. Jetzt bestätigt eine neue Untersuchung: Die Infektionsgefahr ist gering.

Vorne einsteigen und Ticket zeigen! Diese Devise gilt seit dem 12. März 2020 in den mehr als 1500 Linienbussen der BVG nicht mehr. Zu Beginn der ersten Corona-Welle wurde der Vordereinstieg geschlossen, und Fahrscheine gibt es seitdem im Bus auch nicht mehr. Die Fahrerbereiche wurden abgesperrt.

Im Bus können Fahrscheine nicht mehr bar bezahlt werden

Mehrmals versuchte die BVG, die Maßnahmen rückgängig zu machen. Der Senat machte Druck, denn durch die Einstellung des Fahrscheinverkaufs im Bus gehen Erträge verloren – allerdings betrug der Anteil an den Gesamteinnahmen vor Corona gerade mal vier Prozent. Doch der Gesamtpersonalrat und die Gewerkschaft Verdi leisteten Widerstand. Nach einer Demonstration Ende April wurde vereinbart, dass die Türen zu bleiben, bis nach erneuten Aerosolmessungen eine Gefahr ausgeschlossen werden kann.

Die Untersuchung, an der unter anderem die Charité und die Technische Universität beteiligt waren, liegt seit Mitte Juni vor. Danach ist das Ansteckungsrisiko selbst in einem stehenden Bus nur halb so groß wie in Büros und Pausenräumen, die als Referenzgröße genommen wurden. In fahrenden Fahrzeugen ist die Gefahr, sich über Aerosole mit Corona zu infizieren, noch geringer. Am Donnerstag wurde die Studie Personalvertretern vorgestellt. Am Freitag berieten Personalvertreter, danach gaben sie für erste Bus-Betriebshöfe wie Indira-Gandhi-Straße in Weißensee grünes Licht. 

Darf im Bus auch nach Corona hinten eingestiegen werden?

Klar ist, dass Tickets im Bus künftig nur noch kontaktlos bezahlt werden können. EC-Karten und anderes Plastikgeld sowie Handys werden akzeptiert, doch Bargeld soll zumindest vorerst nicht mehr angenommen werden. „Dass im Bus nur noch kontaktlos bezahlt werden kann, lehnen wir ab“, sagte Jens Wieseke von Fahrgastverband IGEB am Freitag. „Nach dem Ende der Pandemie muss die Barzahlung wieder ermöglicht werden.“ Der Zugang zum Nahverkehr müsse niedrigschwellig sein, mahnte er. Hürden wie den Ausschluss der Barzahlung wirken dem entgegen. Außerdem gebe es weiterhin Menschen, die ohne Plastikgeld auskommen wollen.

Wieseke sprach sich auch dafür aus, künftig alle Türen im Bus zum Einsteigen zu öffnen. So könnten Menschentrauben verhindert und Aufenthaltszeiten an Haltestellen verringert werden, so der IGEB-Sprecher. Dem Vernehmen nach wird bei der BVG geprüft, ob Fahrgästen weiterhin ermöglicht wird, im Bus hinten einzusteigen.