Entschleunigung in Berlin: Grüne Punkte auf der Bergmannstraße irritieren nicht nur Autofahrer

Berlin - Für die grünen Punkte, die seit ein paar Tagen den Asphalt in der Bergmannstraße zieren, kassiert das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg jede Menge Spott. Jetzt hat das Bezirksamt bekanntgegeben, was die Markierungen in der Straße insgesamt gekostet haben: 146.500 Euro. Die Reaktionen im Netz sind entsprechen: „dekadent“, „völlig bekloppt“ und „nutzlos“.

Der zuständige Bezirksstadtrat Florian Schmidt (Grüne) lässt sich davon nicht beeindrucken. Nicht allein die grünen Punkte hätten 146.500 Euro gekostet, so Schmidt – sondern alle neuen Markierungen, also auch die Piktogramme und weißen Linien, die am Straßenrand aufgemalt worden sind. Und: Der Preis sei normal für Arbeiten dieser Art.

„Dass man sich das ein bisschen was kosten lässt, wenn man neue Wege geht, finde ich völlig in Ordnung“, sagt Schmidt. Die grünen Punkte sind Teil eines Modellprojekts für eine Begegnungszone. Die Attraktivität des Stadtraums soll für Fußgänger erhöht werden.

Hier wurde die erste Tempo 20-Zone in Berlin eingerichtet und die ebenfalls umstrittenen Parklets als Sitzgelegenheiten dort aufgestellt, wo einst Autos parken konnten.

Methode des Geschwindigkeits-Stopps ist ganz neu

Die Schilder, die auf die Tempo-20-Begrenzung hinweisen, würden viel zu häufig nicht gesehen, erklärt Schmidt. „Die grünen Punkte zielen darauf ab, den Autofahrern zu zeigen: Das hier ist eine andere Straße, die gehört nicht nur euch.“

Diese Methode des Geschwindigkeits-Stopps ist aber ganz neu. Ob Autofahrer die Botschaft überhaupt verstehen? Das sei nicht nötig, findet Schmidt, die Punkte sorgten für Entschleunigung, weil sie irritierten. „Auch wenn der Autofahrer sie nicht versteht, erfüllt das irritierende Moment seinen Zweck.“