Entsorgungspolitik: Alles derselbe Müll

Berlin - Die Sache mit dem Müll ist bisher so: In die dunkelgrauen Tonnen kommt der Hausmüll, in die grünen gehört Glas, die blauen sind für Papier und die braunen für Biomüll. Dann gibt es gelbe Tonnen für Verpackungen aus Kunststoff, Weißblech, Aluminium und Verbundstoffen und die orange Box für Spielzeug, Kunststoffe, Metalle, Datenträger, Elektrokleingeräte, alte Textilien und Altholz.

Ab 1. Januar ist es so: Die ersten vier Tonnen bleiben unverändert, die gelbe Tonne und die orange Box aber werden zusammengefasst. Die unterschiedlich farbigen Tonnen bleiben zwar in den Höfen und Kellern stehen, erhalten aber einen Aufkleber mit einem gemeinsamen Namen: „Wertstofftonne“. Nachteil: Elektrokleingeräte, Textilien oder Altholz, die bisher in der orange Box landen durften, müssen nun in einen von 15 Recycling-Höfen der Berliner Stadtreinigung (BSR) abgegeben werden. Die Annahme ist kostenlos.

Mülltrennung wird vereinfacht

Vera Gäde-Butzlaff, Vorstands-Chefin der Berliner Stadtreinigung (BSR), Eric Schweitzer, Mitinhaber des privaten Müllentsorgers Alba und Umweltstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) stellten am Montag das Konzept vor. Gemeinsames Ziel: Mit der Wertstofftonne soll die zum Teil absurd komplizierte Berliner Mülltrennung vereinfacht werden. So sind bisher etwa Verpackungen wie Joghurtbecher mit dem grünen Punkt per Gesetz von der Entsorgung durch die BSR ausgeschlossen und mussten in die gelbe Tonne, die Alba entleert. „Bislang sind selbst Experten an der Mülltrennung oft verzweifelt“, sagte Gäde-Butzlaff bei der Präsentation.

Außerdem soll das Aufkommen wiederverwertbaren Materials vergrößert werden. Auf bis zu sieben Kilogramm mehr recycelbare Materialien pro Jahr und Einwohner hoffen die Initiatoren – soviel, wie die Stadt Potsdam insgesamt an Hausmüll hat. Und schon jetzt erfüllt Berlin mit der neuen Regelung eine europäische Richtlinie, die erst im Jahr 2015 greifen soll.

Möglich wurde die Wertstofftonne durch eine Einigung zwischen Alba und der BSR. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hatte das Berliner Verwaltungsgericht die gelben Tonnen von Alba für rechtens erklärt. Die BSR musste die Konkurrenz ertragen. Jetzt, zwei Jahre nach dem Urteilsspruch, intensivieren beide Unternehmen ihre Zusammenarbeit.

Wertstoffe statt Abfall

Müll ist ein lukratives Geschäft und dabei geht es gar nicht einmal um die Gebühren für die endgültige Vernichtung. Jährlich fallen in der Stadt 1,375 Millionen Tonnen Müll an. Vieles davon ist nutzbar. So kommt es, dass Umweltstaatssekretär Gaebler den Begriff Abfall inzwischen meidet. „Wir sprechen von Wertstoffen.“ Etwa 850 000 Tonnen landen jährlich im Müllheizkraftwerk der BSR in Ruhleben, das damit 100 000 hauptstädtische Haushalte mit Wärme versorgt. „Kein Krümel Hausmüll bleibt ungenutzt, sagt BSR-Chefin Gäde-Butzlaff. Der Großteil des Rests ist wiederverwertbar.

Und gerade aus den neuen Wertstofftonnen lässt sich besonders viel herausholen, hoffen die Beteiligten. Schon im Jahr 2011 landeten 91 000 Tonnen Wertstoffe in den gelben und/oder orangen Behältern. Die Wertstofftonne soll noch 25 000 Tonnen zusätzlich einbringen.

Die BSR übernimmt die Müllabfuhr in den Ortsteilen Wittenau, Reinickendorf, Alt-Hohenschönhausen, Neu-Hohenschönhausen, Britz, Mariendorf, Lankwitz und Lichterfelde. Im Rest der Stadt holt Alba die Tonnen ab. Der Inhalt wird in die Sortieranlage von Alba in Mahlsdorf gebracht, „die modernste Europas“, wie Mitinhaber Schweitzer betont, und dort zu 13 Rohstoffen verarbeitet – Granulat für Verpackungen zum Beispiel. Auch hier ist das Geschäft aufgeteilt: 88 Prozent gehen in Form von Kosten und Erlösen über die Konten der Firma Alba, bei der BSR sind es die restlichen 12 Prozent.

Bleibt das Problem der Fehlwürfe. Etwa zehn Prozent der Wertstoffe landen im falschen Eimer. Oder wie Alba-Chef Schweitzer sagt: „Aus einer Windel machen auch wir keine Blechdose.“