Die Ideen sind überraschend, ja teilweise illusionär. 39 Architekturbüros sind bis Montagnachmittag dem Aufruf des Bundes Deutscher Architekten (BDA) gefolgt und haben Vorschläge für die Vervollständigung des Band des Bundes im Berliner Parlaments- und Regierungsviertel eingereicht.

Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie die unbebaute Fläche zwischen dem Kanzleramt und dem Paul-Löbe-Haus des Bundes zu füllen ist, wo nach dem preisgekrönten Entwurf der Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank ein Ort für die Bürger entstehen sollte.

Das Architekturbüro Steiner-Weissenberger schlägt vor, in der Lücke einen Wald mit Bäumen aus aller Welt anzulegen. Die jetzige Grünfläche bis zur Spree wollen sie dafür mit Häusern bebauen.

Das Büro Male Architekten will die Idee des Bürgerforums durch den Bau eines Marktplatzes und eines Versammlungsortes realisieren. Während der Markt von einem Dach geschützt werden soll, planen die Architekten darüber in einer Art Schüssel den Bau eines zum Himmel offenen Theaters.

Das Büro des Architekten Bernd Albers hingegen lässt die Fläche zwischen Kanzleramt und Paul-Löbe-Haus bis auf eine neue Allee frei, will dafür aber den jetzigen Spreebogenpark vom Band des Bundes bis zur Spree komplett bebauen. Die Siegessäule wird in dem Entwurf wieder vor das Reichstagsgebäude platziert, wo sie bis in die 1930er-Jahre stand, dann aber der Stadtplanung der Nazis weichen musste.

Provokant fällt der Vorschlag des Büros Rohde, Strugar, Wiegner aus: Sie möchten auf dem Areal einen Bundesspäti errichten. Ihr Entwurf zeigt einen kleinen Kiosk, hinter dem das Kanzleramt hervor ragt. Zur Realisierung ist keiner der Entwürfe gedacht. Der BDA will mit den Ideen die Diskussion zu städtebaulichen Themen beleben.

Die Entwürfe im Format 40 mal 40 Zentimeter sind vom 12. November an bis zum 15. Dezember in der BDA-Galerie zu sehen. Zur Ausstellungseröffnung am Dienstag ist Axel Schultes angekündigt.

Der Entwurf von Axel Schultes und Charlotte Frank war 1993 beim internationalen Wettbewerb für das Parlaments- und Regierungsviertels zum Sieger gekürt worden. Die Idee war, das Kanzleramt, die Bürogebäude des Bundestags und einen Ort für die Bürger in einem Band anzuordnen. Das Band sollte in Ost-West-Richtung verlaufen und dabei die ehemalige innerstädtische Grenze auf Höhe der Spree überspringen. Zwar wurden die Bauten für die Politik alle errichtet, doch für das Bundesforum, den Ort für die Bürger, gab es nie ein echtes Interesse der verantwortlichen Politiker.

Bei den vor kurzem abgeschlossenen Überlegungen zum Bau eines Besucher- und Informationszentrums (BIZ) des Bundestags wurde zwar geprüft, ob das Gebäude nicht auch im Band des Bundes errichtet werden kann. Der Ältestenrat des Bundestags entschied sich jedoch dagegen – obwohl der Bau des BIZ im Band des Bundes finanziell günstiger gewesen wäre.

Die Abgeordneten plädierten für den Bau des BIZ südlich der Scheidemannstraße. Begründet wurde dies damit, dass die Besucher auf dem Weg zum Reichstagsgebäude dort nur einmal kontrolliert werden müssen. Beim Bau des BIZ im Band des Bundes wären dagegen zwei Kontrollen nötig geworden.

BDA-Galerie, Mommsenstraße 64, 10629 Berlin, Mo, Mi, Do 10-15 Uhr.