Marcel G. im Jahr 2017 vor Gericht.
Foto: Wolfgang Mrotzkowski

BerlinDer verhaftete Mann, der in Berlin zahlreiche Autos angezündet haben soll, ist für die Polizei ein alter Bekannter. Es handelt sich um den 30-jährigen Marcel G., der offenbar psychisch labil ist und bereits in den Jahren 2012 und 2016 wegen Brandstiftung festgenommen und verurteilt wurde. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch eine entsprechende Meldung des Tagesspiegels.

Die Polizei ordnet Marcel G. bislang insgesamt 31 Autobrandstiftungen aus diesem Jahr zu. Bereits am 6. August wurde der 30-Jährige in Hamburg festgenommen. Er erhielt dort einen Haftbefehl. Wegen der Brandstiftungen in Berlin erließ inzwischen auch ein Berliner Richter Haftbefehl gegen den 30-Jährigen.

Der in Gießen geborene Marcel G. saß schon zweimal in Haft: nach Serienbrandstiftungen in Hamburg 2012 und nach Brandstiftungen an Autos in Berlin 2016. Ende vergangenen Jahres wurde er aus der Haft entlassen.

Marcel G.: Ein Informant von Polizei und Verfassungsschutz?

Im Juli 2016 hatten Zivilfahnder der Polizei ihn dabei ertappt, wie er in Lichtenberg an drei Autos Feuer legte. Es war die Zeit, in der in der Gegend unweit des linksautonomen Wohnprojektes in der Rigaer Straße in Friedrichshain fast jede Nacht Autos in Flammen aufgingen und sich Linksextreme Scharmützel mit der Polizei lieferten. Bei seiner Festnahme fanden die Polizisten in seinen Taschen Kohlenanzünder und Feuerzeuge. Der damalige Innensenator Frank Henkel (CDU) feierte den vermeintlichen Ermittlungserfolg. Doch dann kam der Verdacht auf, die Polizei habe ihren eigenen Informanten festgenommen.

Laut der linken Internetseite Indymedia war Marcel G. damals längst aus der linken Szene ausgeschlossen worden. Zudem wurde dort verbreitet, dass er Informant von Polizei und Verfassungsschutz gewesen sei. Unbekannte hatten bereits 2015 ein Vernehmungsprotokoll ins Internet gestellt. Darin machte G. in seinem Hamburger Verfahren nach 2012 bereitwillig Aussagen zur linken Szene in Berlin und zum Zentrum der Linksautonomen in der Rigaer Straße 94 – allerdings waren sie wirr und falsch. Er hoffte wohl, dafür eine milde Strafe zu erhalten. Die Polizei dementierte später: „Er wurde und wird nicht als Informant oder V-Person der Polizei Berlin geführt.“

Marcel G. wollte sich an der linksautonomen Szene rächen

Wegen der Brandstiftungen an den Autos in Hamburg saß er bis November 2015 in der Hansestadt in Haft. Nach seiner Entlassung kehrte er nach Berlin zurück und versuchte, Anschluss an die linke Szene zu finden – bis diese ein 26-seitiges Schriftstück mit dem Vernehmungsprotokoll veröffentlichte und ihn der V-Mann-Tätigkeit bezichtigte.

Offenbar enttäuscht über die Ablehnung, bezeichnete sich Marcel G. fortan als Aussteiger aus der linksautonomen Szene und suchte Anschluss an die rechte Szene. Er lief dann bei Bärgida-Demonstrationen mit und hielt dort Reden.

Mit der Brandstiftung 2016 habe er sich bei der linksautonomen Szene in Berlin rächen wollen, sagte er vor Gericht. Man wisse ja, dass diese Leute für solche Brandstiftungen verantwortlich seien. Er habe mit seiner Tat den Verdacht auf seine einstigen Mitstreiter richten wollen.

CDU lobte Kopfgeld zur Ergreifung des Brandstifters aus

Nach seiner jüngsten Haftentlassung warnte die linke Szene im Februar dieses Jahres wieder öffentlich vor Marcel G. Er versuche erneut, Kontakte in die linke Szene Berlins zu knüpfen. „Er machte umfassende Aussagen beim Staatsschutz und belastete Personen und Strukturen.“ Unmittelbare Folgen seiner Aussagen seien Hausdurchsuchungen und gewalttätige Übergriffe durch die Polizei gegen die „Rigaer94“ gewesen. Es sei „heute wie damals unklar, inwiefern die Unzurechenbarkeit seines psychischen Zustandes von den staatlichen Behörden ausgenutzt wird“. Der Staatsschutz versuche es mit allen Mitteln.

Inzwischen brannten in Berlin wieder mehr Autos als in den Vorjahren. Wegen der vielen Brände gründete die Polizei im Juli eine Ermittlungsgruppe „Nachtwache“.

Bis dahin waren bereits rund 280 Autos durch Brandanschläge beschädigt oder zerstört worden. Davon war etwas mehr als die Hälfte gezielt angezündet worden. So viel hatte die Polizei im gesamten Jahr 2018 gezählt. Die CDU lobte sogar ein Kopfgeld zur Ergreifung eines Brandstifters aus, wofür sie von der FDP des Populismus’ beschuldigt wurde.

Der Brandstifter floh nach Hamburg und flog auf

G. soll unter anderem am 30. Juni einen VW in Tiergarten angezündet haben. Im Hansaviertel soll er am 17. Juli einen Renault, einen Volvo und einen Skoda in Brand gesetzt haben. Am 24. Juli soll er in Wilmersdorf einen Mercedes und einen Citroen angezündet haben, und am 30. Juli in Tiergarten einen VW Touareg und einen Renault Kangoo. Während dieser Zeit war ihm die „EG Nachtwache“ bereits auf der Spur. Drei Brandstiftungen hat Marcel G. eingeräumt. „Für andere gilt er als dringend tatverdächtig“, sagt ein Polizeisprecher.

Als er merkte, dass ihm die Fahnder näher kamen, setzte sich Marcel G. nach Hamburg ab. Als er dort erneut ein Auto anzündete, klickten die Handschellen. Die Polizei löste ihre „Ermittlungsgruppe Nachtwache“ inzwischen auf.