Vor einigen Wochen meldete sich ein Mann aus Kanada per Mail im Berliner Zoo. Er sei in Berlin aufgewachsen und als Kind mit seiner Mutter oft im Zoo gewesen, schrieb er. Nun stehe ihm eine größere Erbschaft bevor und er wolle dem Zoo eine sechsstellige Summe schenken. Er wünsche sich, dass ein Teil seiner Erbschaft für das Raubtierhaus verwendet wird.

Mit dem großzügigen Spender aus Kanada steht Kathrin Bendixen vom Fundraising der Stiftung Zoologischer Garten Berlin seitdem in Mailkontakt. Die Biologin ist zuständig für alle Spender, die dem Zoo und dem Tierpark Geld vererben, spenden oder Patenschaften für Tiere übernehmen. Laut Geschäftsbericht vom vergangenen Mai erhielt der Tierpark im Jahr 2013 Spenden und Zuwendungen in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 33 Prozent. Dem Zoo flossen durch Spenden und Nachlässe rund 7,4 Millionen Euro zu, zwei Prozent weniger als im Vorjahr.

„Viele Unterstützer waren schon als Kinder im Zoo“, sagt Kathrin Bendixen. „Für sie haben die Anlagen etwas Vertrautes, sie kennen die Tiere und auch noch manche Pfleger.“ Manche Tierfreunde kehren im Alter in den Zoologischen Garten zurück. „Das ist für sie ein geschützter Bereich.“ Einige bringen ihren Lieblingstieren Futter mit, etwa den Eisbären eine Portion Lachs, den sie den Pflegern geben, denn Füttern ist verboten.

Allein aus Erbschaften bekamen Zoo und Tierpark in diesem Jahr und 2013 etwa vier Millionen Euro. Manche Spender verschenken ihre Häuser und Wohnungen, auch Schmuck und Wertpapiere sind dabei, ebenso komplette Wohnungseinrichtungen. Der Zoo verkauft diese Erbschaften und verwendet das Geld. Ausnahmen sind geerbte Autos, zwei gehören derzeit zum Fuhrpark.

Kathrin Bendixen sagt, manche Besucher legten fest, dass ihr Vermögen an den Zoo gehe, weil sie keine Familie hätten, oder mit ihr verstritten seien. Manche beschenken ihre Familien und den Zoo. „Eine komplette Erbschaft an uns ist eher die Ausnahme“, sagt Kathrin Bendixen. Senioren, die den Zoo als Erben bedenken, derzeit sind es knapp 50, werden angemessen umsorgt. Zoo-Mitarbeiter besuchen sie zu Hause oder in Pflegeheimen, zum Geburtstag gibt es Blumen. Manche Erblasser dürfen bei den Fütterungen ihrer Lieblingstiere ganz nah dabei sein. „Es ist einzigartig in Deutschland, wie viele Menschen dem Zoo ihre Erbschaft hinterlassen“, sagt Zoo-Direktor Andreas Knieriem. „Ohne sie würde es den Zoo in dieser Form nicht geben.“ Zweimal im Jahr veranstaltet der Zoo deshalb spezielle Gesellschaftsabende und Führungen für seine etwa 900 Unterstützer. Dazu gehören überwiegend Menschen, die für ihre Lieblingstiere Patenschaften übernommen haben.

Etwa 400 sind es im Zoo, rund 200 im Tierpark. Die beliebtesten Patentiere sind Pinguine, Erdmännchen, Affen, Fische und Antilopen. Bisher galt die Regel, dass für jedes Tier nur eine Patenschaft vergeben wird. „Es gibt aber mehr Wünsche nach Patenschaften, als wir Tiere haben“, sagt Kathrin Bendixen. Darum werden Patenschaften für ein Tier nun mehrfach vergeben, gleichzeitig werden die Preise gesenkt. So kostet eine Patenschaft für einen Gorilla 5 000 Euro im Jahr, Klammeraffen und Nasenbär gibt es für 250 Euro, eine Schildkrötenpatenschaft wird für 150 Euro vergeben, ein Juwelenfahnenbarsch kostet 100 Euro im Jahr. Neu ist auch, dass selbst Tierbilder und Skulpturen im Zoo, etwa Knautschke, das Flusspferd, künftig von Paten übernommen werden können.

In diesem Jahr haben Zoo und Tierpark aus den Patenschafts-Einnahmen Spielzeug für die Tiere gekauft. „Aktive, spielende Tiere sind nicht nur spannend zu beobachten, sondern zeugen auch von Vitalität und Wohlbefinden“, sagt Zoo-Chef Knieriem. Denn anders als in der Wildnis müssen sie nicht den ganzen Tag auf Futtersuche sein. Die Elefanten angeln sich ihr Futter nun aus Kugeln, die zwischen den Bäumen hängen. Im Elefantenhaus wird bis zum Frühjahr ein Kratzbalken zum Scheuern des Rückens angebracht. 8 300 Euro haben Unterstützer dafür gespendet.