In meinem Haushalt gibt es keine Tupperdosen. Ich war noch nie auf einer Tupperparty und wollte auch niemals zu einer hin. Es existiert auch kein Jemako-Putzlappen in unserem Haus. Wenn ich zu Partys eingeladen werde, dann möchte ich tanzen. Das war bislang mein Grundsatz. Und dann kam Jenny. Meine Freundin lud mich ein, ihre Nachbarin würde kochen. Mit dem Thermomix. Ob ich nicht vorbeikommen wolle.

Ich dachte, naja, so ein Abend, an dem ich bekocht werde – warum eigentlich nicht. Eine Thermomix-Party? Man musste es ja nicht so nennen. Ich sah auch keine Gefahr, mir während des Treffens den Kopf verdrehen zu lassen, denn wer bitteschön gibt schon 1200 Euro für eine Küchenmaschine aus? So ein Ding käme mir eh nicht ins Haus. Für mich, das muss ich zugeben, ist es der Inbegriff der Spießigkeit.

Unsere Küche ist keine Einbauküche, die Schränke sind alt und unpraktisch, aber schön und original – an ihnen haftet Geschichte. Ein überteuertes Rührgerät würde da eh nicht reinpassen. Ich mein, mal ganz im Ernst: Für mein erstes Auto habe ich 500 Euro bezahlt. Das konnte sogar noch fahren! Nein, man würde mich nicht überzeugen können. Davon war ich überzeugt.

Ein Thermomix in meiner Küche? Niemals! Oder?

Überhaupt gehöre ich eher zu den Menschen, die nicht nur das Ziel vor Augen haben, sondern gern mal ein paar Blümchen am Wegesrand bestaunen. Und so ein Thermomix ist ja das Gegenteil. Das ist doch kein Kochen! Da gibt’s du ein Gericht ein und dann wirst du ohne Sinn und Verstand – und ohne Stil! – durch das Rezept gelotst, um am Ende das Resultat zu genießen. So meine Vorurteile.

Aber tja, was soll ich sagen?! Es war ein ziemlich schöner Abend, der mit Sekt begann – und mit einem verwirrten Gast endete – mit mir. Seit wann schmeckt mir ungekochter Brokkoli? Tja, der Thermomix macht's möglich. Jeder, der jemals auf einem solchen Abend eingeladen war, wird ihn kennen, den legendären Brokkoli-Salat mit Senf-Dressing, Sonnenblumenkernen und Paprika. Verdammt, war der lecker. Und mal was anderes.

Doch eine Küchenmaschine? Die Vorurteile geraten ins Wanken

Und überhaupt gerieten meine Vorurteile plötzlich ins Wanken. Wäre es bei drei hungrigen Kindern und zwei berufstätigen Eltern in unserem Haushalt nicht vielleicht doch praktisch, so ein Gerät zu besitzen? Einfach, um auch mal auf andere Geschmacksideen zu kommen? Fernab meiner Standardmenüs à la Kartoffelpü mit Fischstäbchen zu kochen? Auf die scharfe Curry-Bananensuppe, die uns an dem Abend gereicht worden war, wäre ich jedenfalls im Leben nicht gekommen. Wie lecker.    

Und war die Maschine nicht so leicht zu bedienen, dass die Kinder sich sogar selbst mal etwas Schnelles kochen oder backen konnten? Und fahre ich nicht sowieso im Auto auch längst mit einem Navi statt mir oldschool die Karte auf den Schoß zu legen? Der Thermomix war ja im Grunde nichts anderes als das: Ein Navi für die Küche.  

Hilfe von Mutti? Vielleicht keine schlechte Idee

Aber die Kosten. Ich war doch bescheuert, überhaupt darüber nachzudenken. Andererseits: Wir würden Marmelade selbst machen können, Kuchen nicht mehr kaufen, sondern backen, hmm. Als dann noch meine Mutter einhakte und meinte, ich könne doch dann auch viel gesünder für die Kinder kochen, weil frische Suppe statt Dosenfraß, gedünstetes Gemüse, das noch Vitamine enthält statt verkochte Blumenkohlröschen. Mein Geburtstag stünde doch vor der Tür, ob sie mich unterstützen solle beim Kaufpreis.

Nun ja, das war mein Ende. Man darf mich nun spießig nennen. Ich hab jetzt so ein Ding. Ich habe es sage und schreibe zwei Wochen lang in der Küche stehen gehabt ohne es anzurühren. Vor Angst, ich könnte irgendwas daran kaputt machen. Dann überredeten mich die Kinder zu einem Smoothie. Und dann zu einem Walnuss-Dip für Baguette.

Überzeugt: Warum ich mich doch für das „Navi in der Küche“ entschied

Und nun ja, seither ist er halt in Gebrauch. Ich bleibe dabei, ich hätte ihn mir eigentlich nicht gekauft. Aber die Umstände wollten es einfach so. Und seither sieht man mich mit der Thermomix-App durch den Supermarkt laufen. Da kann ich nämlich einfach eingeben, worauf ich Hunger hab und schon spuckt es mir die Einkaufsliste aus. Voll uncool. Aber extrem praktisch eben auch.

Bei Tupperdosen und Jemako-Lappen bleib ich aber trotzdem hart. Vorerst jedenfalls...