Viel zu teuer, ungünstige Streckenführung, kaum Nutzen für umliegende Regionen: Die Schnellstrecke der Deutschen Bahn (DB), die im Dezember eröffnet worden ist, hat einige Kritiker. Doch ihr Erfolg gibt den Planern recht. Nachdem sich zwischen Berlin, Nürnberg und München die Zahl der Fahrgäste verdoppelt hat, bereitet die Bahn die Ausweitung des Angebots vor. Züge werden verlängert, mehr Fahrten sind geplant – die Fahrplanentwürfe liegen jetzt vor. Auch für Berlin–Wien sind Änderungen in Sicht. Ab Dezember soll es zwischen den Hauptstädten nicht nur wieder einen direkten Fernzug am Tage geben – im Gespräch ist auch eine Nachtzugverbindung.

Es ist eine alte Regel: Wenn ein Verkehrsangebot gut ist, wird es auch genutzt. Am Wochenende sind die ICE-Züge auf der neuen Route besonders voll. Darum hat die Bahn sonntags um 12.30 Uhr ab Berlin und sonnabends um 18.56 Uhr ab München die Kapazität bereits verdoppelt. Von Mai an werden zwei weitere Direktzüge ebenfalls aus zwei Zugteilen bestehen: sonntags um 8.30 Uhr ab Berlin und sonnabends um 14.55 Uhr ab München.

Nicht einmal vier Stunden, dann ist München erreicht – vorausgesetzt, es kommt nichts dazwischen. „Die ICE-Sprinterzüge zwischen Berlin und München sind besonders erfolgreich. Deshalb werden wir die Zahl dieser Verbindungen zum Fahrplanwechsel im Dezember erhöhen“, bekräftigte Alexander Kaczmarek, der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Berlin.

"Selbst in einem Nahverkehrszug sitzt man besser"

Momentan gibt es je nach Wochentag zwei oder drei ICE-Züge, die laut Fahrplan in etwas weniger als vier Stunden von der Spree an die Isar fahren. Vom zweiten Advent 2018 an werden es bis zu fünf pro Tag sein. Das sind die Fahrzeiten ab Berlin: 6.02 Uhr (montags bis sonnabends), 8.05 Uhr (montags bis sonnabends), 12.05 Uhr (täglich) sowie um 16.05 Uhr und 18.05 Uhr (jeweils täglich außer sonnabends). In München starten die Sprinter um 5.57 Uhr (montags bis freitags), 7.52 Uhr (montags bis sonnabends), 11.57 (täglich) sowie um 15.57 und 17.57 Uhr (jeweils täglich außer sonnabends). Kaczmarek: „Wir würden gern noch mehr Sprinter einsetzen. Aber dafür fehlen uns Züge.“

Immerhin: Ebenfalls ab Fahrplanwechsel verkehren auf der Strecke ICE, die zehn Prozent mehr Fahrgäste befördern können als die heutigen Fahrzeuge. Der neue ICE 4 hat 830 Sitzplätze – die von vielen Nutzern allerdings als unbequem eingeschätzt werden. Reisende empfinden die Polsterung als zu hart und die Rückenlehne als zu steil. Auch die Beleuchtung sei ungemütlich, heißt es. „Selbst in einem Nahverkehrszug sitzt man besser“, schrieb ein Fahrgast in einem Blog der Bahn. Es gibt aber auch positive Neuerungen. So verfügt der ICE 4 im Gegensatz zu seinen Vorgängern über Fahrradstellplätze – zwar nur acht pro Triebzug, aber immerhin.

Direkte Verbindung nach Wien

Als die neue Tempo-300-Strecke zwischen Erfurt in Thüringen und Ebensfeld in Franken im Dezember in Betrieb ging, wurde die Zahl der Sitzplätze auf der Route nach Süden bereits um 10.000 pro Tag erhöht. „Zum Fahrplanwechsel kommen nun weitere 3000 Plätze pro Tag dazu“, so Kaczmarek, „1800 durch zusätzliche Sprinterfahrten, 1200 Sitzplätze durch die Umstellung von ICE T auf ICE 4 auf der zweistündlich befahrenen Linie über Leipzig.“ Damit nicht genug: Rund hundert weitere Fahrten sind geplant. Der Nacht-ICE zwischen Berlin und München fährt 2019 öfter als jetzt.

Ebenfalls neu: Wie angekündigt verkehrt ab 10. Dezember täglich ein ICE von Berlin nach Wien und zurück – über Regensburg, Passau und Linz. Damit wird zwischen den Hauptstädten wieder eine direkte Zugverbindung etabliert – nachdem der Nachtzug Metropol 2017 eingestellt worden war. Der neue ICE startet um 10.05 Uhr in Berlin, er erreicht den Wiener Hauptbahnhof um 17.47 Uhr. Um 10.15 Uhr geht’s in der Gegenrichtung nach Berlin.

Ob es auch wieder eine direkte Nachtzugverbindung geben wird, steht offiziell noch nicht fest. „Wir sind wir noch in der Planung für den neuen Fahrplan“, sagte Bernhard Rieder, Sprecher der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Möglicherweise könne während der Bilanzpressekonferenz am 26. April Näheres gesagt werden.
Zuletzt bestand die Nachtverbindung Berlin–Wien aus durchlaufenden Wagen, die an den Metropol nach Ungarn und in Tschechien dann an einen anderen Zug gehängt wurden. In DB-Kreisen hieß es, dass auch das neue Angebot aus Kurswagen bestehen könnte. Dem Vernehmen nach sieht ein Plan vor, sie über eine ungewöhnliche Route mit einen Umweg nach Osten zu führen – über Wrocław (Breslau) in Polen.

Würde die Idee umgesetzt, gäbe es erstmals seit vier Jahren auch erneut eine durchgehende Fernzugverbindung zwischen Berlin und Schlesien. Momentan fährt nur ein Regionalzug dorthin und das auch nur an Wochenenden – der Kulturzug, dessen Defizit von den Ländern Berlin und Brandenburg sowie der DB getragen wird. Der Dieseltriebwagen, in dem Lesungen, Musik und andere Kulturangebote die rund viereinhalbstündige Reise von Berlin nach Breslau auflockern, verkehrt mindestens bis Ende 2019.