Berlin - Auch rund um die High-Deck-Siedlung in Neukölln ist der Frühling spürbar. Zwischen den Fußgängerbrücken (High-Decks), denen die Siedlung mit den Sozialwohnungen aus den 1970er-Jahren ihren Namen verdankt, sprießt Grün, in benachbarten Gärten blüht es.

Doch die Idylle täuscht: Die Siedlung ist ein sozialer Brennpunkt. Überdurchschnittlich viele der knapp 6600 Bewohner, unter ihnen zahlreiche Migranten, sind arbeitslos. Fast die Hälfte der Bewohner beziehen Transferleistungen. Seit 17 Jahren arbeitet in der Siedlung ein Quartiersmanagement, das sich um den sozialen Zusammenhalt kümmert.

Angebote für Eltern und Kinder

Jetzt wurde das Quartiersmanagement-Gebiet ausgeweitet – auf das benachbarte Wohngebiet, in dem es hauptsächlich Wohngebäude aus den 1930er-Jahren gibt. Man wolle dort an die Erfolge der letzten 17 Jahre anknüpfen, sagt Ines Müller vom Quartiersmanagement.

Nachbarschaftstreffs, Elternzentren und Angebote für Kinder und Jugendliche sind entstanden. Im Ergebnis gibt es mehr Stabilität und weniger Anonymität unter den Bewohnern. Müller: „Wir sind 1999 mit drei Ehrenamtlichen gestartet und arbeiten inzwischen mit bis zu 190 Freiwilligen.“

Gelöst seien die Probleme aber längst noch nicht: „Das hat auch damit zu tun, dass 1900 Wohnungen vor zehn Jahren an einen privaten Investor verkauft wurden.“ Durch viele Umzüge habe sich die Bewohnerstruktur stark verändert, viele Probleme, die als gelöst schienen, tauchten neu auf.

Die rund 1000 Wohnungen im Erweiterungsgebiet sind kleiner. Die meisten gehören der Wohnbauten-Gesellschaft „Stadt und Land“, die eng mit dem Quartiersmanagement zusammenarbeitet. Als wichtiger Akteur im Gebiet gilt die Kepler-Schule, eine Integrierte Sekundarschule.

„Wir versuchen verstärkt Angebote zu machen, uns mit den Grundschulen im Gebiet zu vernetzen“, sagt Schulleiter Moritz Dreher.

Integrationsmaschine im Kiez

280 Schüler besuchen die Neuköllner Schule, 80 Prozent davon haben einen Migrationshintergrund. Die Schule gehört zu jenen „mit besonderer sozialer Belastung“, die vom Senat finanziell unterstützt werden. Das Quartiersmanagement macht sich für einen Bildungsverbund mit den anderen Schulen im Gebiet stark und will einen engen Kontakt zwischen Schule und Nachbarschaft aufbauen. Ideen dafür werden jetzt gesucht.

In Berlin gibt es 34 Quartiersmanagementgebiete, von denen vier zu Beginn des Jahres erweitert wurden. „Die Quartiersmanagements sind eine Art Integrationsmaschine“, sagt Andreas Geisel (SPD), Senator für Stadtentwicklung. „Hier setzen sich Nachbarn füreinander ein und schaffen nachhaltige Strukturen“, so Geisel. Das Land Berlin fördert diese Arbeit mit insgesamt 23 Millionen Euro aus dem Programm „Soziale Stadt“.