Berlin - Die Schifffahrt könnte den Unterschied erklären: Da ist der riesige Ozeandampfer mit dem Namen Subway to Sally, der rattert und stampft. Er hat Power, viel Technik und macht Krach. Und dann gibt es die Kogge, so ein bauchiges, gemütliches Schiff ohne viel Technik, da wird alles mit der Hand gemacht. Im Wind knattern die Segel. Gemütlich ist es auf der Kogge, sie wiegt hin und her. Wie romantisch.

Das Gleichnis mit den Schiffen stammt von Eric Fish – und der ist, wenn man so will, Kapitän auf beiden Booten. Seit 1992 spielt er in der Potsdamer Band Subway to Sally, die dieses Jahr ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Eric Fish, der eigentlich Eric Hecht heißt und gern angelt, wie er bei Gelegenheit erzählt, hatte Mitte der 80er-Jahre mit der Musik begonnen. Beim DDR-Ausscheid für Nachwuchsliedermacher im Jahr 1988 nahmen ihm die Liedermacher und Jury-Mitglieder Gerhard Schöne und Barbara Thalheim jede Hoffnung auf eine Karriere. Zu wenig Talent.

Ein Graben zwischen Band und Publikum

Sie sollten sich irren. Subway to Sally gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Bands in der Kategorie Modernes Martialisches Mittelalterspektakel. Sie verbinden Heavy Metal mit Elektrogitarrenriffs, die an Rammstein erinnern, dazu kommen muntere Weisen auf Lauten, Schalmeien, Dudelsack und Geige. Zehn Platten hat die Band produziert, zu den Konzerten kommen bis zu 3000 Zuschauer. 2008 gewannen Subway to Sally den Bundesvision Song Contest von Stefan Raab. „Wir haben uns konsequent nach oben gespielt“, sagt Eric Fish.

Doch mit der wachsenden Popularität kam die Distanz zu den Fans. Ein Graben trennt mittlerweile Band und Publikum, und das ist nicht einmal nur übertragen gemeint. Eric Fish sagt, er habe das als Last empfunden. „Ich fühlte mich nicht mehr wohl.“ Ein paar Mal trat er solo in kleinen Clubs auf, sang seine ersten selbstkomponierten Lieder. „Das war ein Befreiungsschlag für mich, ein willkommener Ausgleich zum lauten und brutalen Rock’n’Roll-Geschäft“, sagt er.

Später holte er vier befreundete Musiker hinzu: Rainer Michalek, einen Freund aus Schulzeiten in Königs Wusterhausen, der Bob Dylan mag, Gitarre und Mundharmonika spielt, Gerit Hecht (nein, es ist nicht der Bruder), der Piano spielt, sowie den Gitarristen Uwe Nordwig und den Cellisten Tobias Underberg, der sich B.Deutung nennt und schon bei der Berliner Band Inchtabokatables gespielt hat.

Irische und schottische Lieder sowie folkige Coverversionen

„Eric Fish & Friends“ heißt das Projekt, mit dem die Mittvierziger-Männertruppe zurzeit in 24 Städten auftritt. Am Wochenende begann die Tour in Stralsund, es folgte Rostock, am Mittwoch ist es Berlin, dann geht’s weiter bis nach Wien. Die Zuschauer hören irische und schottische Lieder sowie folkige Coverversionen von Police und U2.

„Liedermachermusik“ nennt Eric Fish die Songs, seine Vorbilder sind Degenhardt und Gundermann. Die Zuhörer sitzen teils auf dem Boden, es sind Fans von früher, manche mit langen Haaren, Wollpullover und Hirschbeutel. Auch Familien mit kleinen Kindern sind dabei. Auf der Bühne brennen viele Kerzen. Die Männer singen im Halbdunklen, sie spielen Gitarre, Cello und Klavier. Eine irische Blechflöte ertönt und eine Mundharmonika. Gemütlich ist es auf der Kogge.

Eric Fish & Friends spielen am Mittwoch, 21. März, im C-Club, Columbiadamm 9 in Tempelhof. Die Karten kosten im Vorverkauf 16 Euro, an der Abendkasse 20 Euro. Einlass ist ab 19 Uhr.