Die Gläserne Blume kannte fast jeder in der DDR. Eine 5,20 Meter und fast fünf Tonnen schwere Skulptur aus Edelstahl und Glas, die einst im prunkvollen Foyer des Palastes der Republik stand und seit seiner Eröffnung im Jahr 1976 ein beliebter Treffpunkt für die Besucher war. Als 2008 die Reste des asbestbelasteten Gebäudes auf Beschluss des Bundestages abgerissen wurden, verschwand die Gläserne Blume in einem Depot. Laut Plänen des Senats, die von 2016 stammen, sollte das Kunstwerk hinter der wiederaufgebauten Fassade des Berliner Stadtschlosses im Humboldt Forum ausgestellt werden. Doch aus dem Vorhaben wird nichts.

Geplant war, die Skulptur zumindest als verkleinerte Kopie zu zeigen. Im Rahmen der Sonderausstellung „Spuren“, die mit etwa 50 Objekten an die Geschichte des Ortes Schlossplatz erinnern soll, zu der auch der Palast der Republik mit der Gläsernen Blume gehört. Doch die Kuratoren, die die Ausstellung gerade vorbereiten, entschieden sich jetzt anders. „Die Gläserne Blume wird nicht gezeigt, da diese Variante kein Original ist“, sagte Humboldt-Forum-Sprecher Bernhard Wolter der Berliner Zeitung.

Kuratoren wollen keine Kopie der Gläsernen Blume

Dabei hatte der Senat noch im Januar 2016 auf Anfrage der damaligen Linkspartei-Abgeordneten Klaus Lederer und Katrin Lompscher erklärt, dass die Gläserne Blume in einer Sonderausstellung im künftigen Stadtschloss an den Palast der Republik erinnern soll. Zunächst ging man von der Original-Skulptur aus, die von den beiden Magdeburger Glaskünstlern Reginald Richter und Richard O. Wilhelm in den 70er-Jahren erschaffen worden war.

Mit dem Abriss des Palastes gingen die Teile des Kunstwerkes in den Besitz des Bundesfinanzministeriums. Das Deutsche Historische Museum (DHM) verwahrt seitdem die in Einzelteile zerlegte Skulptur in einem Depot in Spandau. Und so wird es vermutlich auch bleiben, denn die Skulptur hat ein Problem. 

Die Original-Blume aus dem Palast-Foyer ist nicht mehr standsicher. Der Kleber, der die Glasteile zusammenhalten soll, ist im Laufe der Jahre mürbe und brüchig geworden. Der TÜV würde eine Aufstellung der Konstruktion nicht mehr genehmigen, hieß es schon vor Jahren.

Dabei gab es von Seiten des Museums durchaus Überlegungen, die Gläserne Blume zu restaurieren. Doch das Vorhaben wurde bis heute nicht in Angriff genommen. „Eine Restaurierung ist, nach vielen Expertengesprächen in den vergangenen Jahren, extrem aufwendig“, sagt Museums-Sprecherin Daniela Lange. „Daher hat das DHM derzeit keine Pläne, die Gläserne Blume auszustellen.“ Das Kunstwerk bleibt im Depot und wird nicht im wiederaufgebauten Stadtschloss zu sehen sein.

Kopie der Skulptur im Maßstab 1:10

Da der Zustand des Palast-Kunstwerkes seit Jahren bekannt ist, wurde deshalb bereits 2016 geplant, als Alternative zum Original die Skulptur als verkleinertes Modell im Humboldt Forum zu zeigen. So wollte es Manfred Rettig, der damalige Bauherr des Stadtschlosses. Er fand es richtig, dass mit einer Kopie wenigstens etwas an den Palast der Republik erinnere, der an diesem Ort im Zentrum Berlins stand.

Und so fertigte der Gläserne- Blume-Erfinder Reginald Richter in seiner Magdeburger Werkstatt eine Kopie der Skulptur im Maßstab 1:10 an. Feierlich wurde das 50 Zentimeter hohe Modell vor drei Jahren im Rohbau des Schlosses von der Stiftung Stadtschloss Humboldt Forum präsentiert. Und damals wurde von den Veranstaltern auch angekündigt, dass die kleine Skulptur als Erinnerung an den Palast der Republik gezeigt werden soll, wenn 2019 das Humboldt Forum fertig ist.

Dass es nun anders kommt, nimmt der heute 87 Jahre alte Glas-Künstler und Blume-Erfinder gelassen. „In Berlin werden so viele Pläne nicht eingehalten, wie man am Bau des BER sehen kann“, kommentierte Richter die Absage gegenüber der Berliner Zeitung. „Ich wundere mich daher über gar nichts mehr.“ Er hofft allerdings, dass es eine öffentliche Diskussion geben wird, wenn die Ausstellungsmacher des Humboldt Forums die Gläserne Blume in der Minivariante nicht wollen.

Stasi-Monitor aus dem Palast

Der Sprecher des Humboldt Forums verweist aber darauf, dass es andere Ausstellungsobjekte gibt, die in der geplanten „Spuren“-Ausstellung an den Palast der Republik erinnern. Nach und nach sollen diese an verschiedenen Stellen im Humboldt Forum zu sehen sein. „Dazu gehören Eisbecher aus der Milchbar des Palastes – und ein Überwachungsmonitor der Stasi, der sich einst in dem Haus befand“, sagt Sprecher Bernhard Wolter.

Auch eines der insgesamt 16 Gemälde großer DDR-Maler wird in der Sonderausstellung zu sehen sein. Das Werk „Guten Tag“ von Wolfgang Mattheuer, das er in den 70er-Jahren als Auftragswerk für die Palast-Galerie fertigte, wird als Leihgabe des Deutschen Historischen Museums im zweiten Obergeschoss des Humboldt Forums platziert. Zur Zeit wird das Gemälde im Deutschen Historischen Museum restauriert.

Zu den etwa 50 Objekten, die mit der Geschichte des Schlossplatzes im Zusammenhang stehen und gezeigt werden sollen, gehören auch ein alter Mörser aus der Schlossapotheke und der Federkiel, mit dem der deutsche Kaiser Wilhelm II. 1914 den Mobilisierungsbefehl an seine Armee im Ersten Weltkrieg unterzeichnete.