Der Palast der Republik: 1976 wurde er eröffnet, im September 1990 wegen Asbestfunde geschlossen.
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Berlin-MitteVor 30 Jahren begann das Ende des Palastes der Republik. Die DDR lag in den letzten Zügen ihres Daseins, als am 19. September 1990 „Erichs Lampenladen“ wegen Asbestverseuchung geschlossen wurde. 16 Jahre später sollte der Abriss des Prestigebaus beginnen. In dem Haus waren Weltstars aufgetreten und die DDR-Volkskammer hatte in dem Gebäude ihren Sitz. Der Jahrestag der Schließung ist nun Anlass für das Berliner DDR-Museum, an die Geschichte des Palastes zu erinnern.

Der Ort für die Schau passt. Denn das Museum liegt gegenüber des Schloßplatzes, der zu DDR-Zeiten Marx-Engels-Platz hieß, und auf dessen Grund 1976 der Palast der Republik mit viel Pomp eröffnet wurde. Derzeit wartet dort das neue Humboldt-Forum hinter der wieder errichteten Fassade des Berliner Stadtschlosses auf seine Eröffnung. Der Plan für diesen Bau lieferte letztendlich den Grund für den Bundestagsbeschluss, den Palast der Republik 30 Jahre nach seiner Errichtung abreißen zu lassen. 24 Monate dauerte es, bis er 2008 für immer verschwand.

In der Schau wird auch diese denimähnliche Jacke zu sehen sein, die Angestellte trugen.
Foto:  DDR-Museum

„Kein Ort in Berlin hat in den vergangenen Jahrzehnten so radikale Umbrüche und Neubewertungen erfahren wie das Areal, auf dem der Palast der Republik stand. Er sollte dort anstelle des 1950 gesprengten Schlosses der Hohenzollern die DDR repräsentieren“, sagt Ausstellungsleiter Sören Marotz. „Der Palast mit der Volkskammer war das Zentrum der Staatsmacht, gleichzeitig aber auch ein Haus des Volkes.“

Letzteres wolle das DDR-Museum nun in der Sonderschau zeigen, die am 23. September öffnet und bis 5. April 2021 laufen soll. In 26 Vitrinen werden Exponate ausgestellt, die vor allem zeigen, wie die Menschen den Palast der Republik mit seinen Restaurants, der Bowlingbahn, der Diskothek, dem Theater und dem Großen Saal als einmaligem Veranstaltungsort erlebten.

Zu den Schmuckstücken gehört natürlich das legendäre Geschirr mit Goldrand und geschwungener PR-Gravur aus den Palast-Restaurants. Etliche Tassen, Teller und Kännchen wurde später in einem Laden am Kurfürstendamm verkauft. Ebenso begehrt, und das nicht nur bei Briefmarkensammlern, waren die Ersttagsbriefe mit Palast-Marke und Palast-Stempel. Auf Merchandising verstand man sich auch in der DDR. So gab es als Souvenirs etliche Bücher und Broschüren über den Palast oder ein 300-teiliges Puzzlespiel. Auch sie wird man in der Schau finden, wie ein Straßenschild vom Marx-Engels-Platz, das ein Sammler dem DDR-Museum schenkte.

Es werden auch Exponate dabei sein, die nicht jeder zu Gesicht bekam, der einst im Palast war. Etwa die goldfarbene Damenuhr mit Edelstahlarmband aus dem VEB Uhrenwerk Ruhla, die 1975 den fleißigen Erbauerinnen des Palastes überreicht wurden. Die Zeitmesser, in der Schau nicht zu sehen, fertigten übrigens die Glashütter Uhrenbetriebe.

Zu den unbekannteren Dingen wird auch die Palast-Uniform in Jeans-Optik zählen, die von den Haustechnikern getragen wurde, die hinter den Kulissen „Erichs Lampenladen“ am Laufen hielten. Oder die Menü-Karte für die Silvester-Feier 1989 im Palast-Restaurant, auf der Leckereien wie Fasanenkraftbrühe, gefülltes Schweinefilet oder gebackene Wachtelbrüstchen standen – alles für nur 30 DDR-Mark. Die Karte dürften nicht allzu viele gesehen haben, denn die meisten DDR-Bürger zogen damals zum Brandenburger Tor, wo die eigentliche Silvesterparty stattfand. Dank des Mauerfalls Wochen zuvor feierten die Deutschen aus Ost und West erstmals wieder gemeinsam den Jahreswechsel, sahen den Auftritt von US-Star David Hasselhoff („Looking for Freedom“).

Keiner ahnte in jener Nacht, dass neun Monate später im Republik-Palast die Lichter ausgehen sollten. Der Stoff, der dafür sorgte, ist in der Ausstellung in einer Phiole zu sehen: Asbest. „Die Ost-Berliner Hygieneinspektion hatte bei einer Prüfung Asbest in dem Gebäude festgestellt. Daraufhin ordnete der DDR-Ministerrat die Schließung des Hauses für den 19. September 1990 an“, sagt der wissenschaftliche Museumsleiter Stefan Wolle. Die letzte Veranstaltung im Palast soll ein Konzert des Polizeiorchesters gewesen sein.

„Heute sagen viele Menschen, es wäre besser gewesen, den Palast nicht abzureißen“, so Wolle. „Dabei hatte die Schließung vor 30 Jahren noch nicht den Abriss des Hauses bedeutet. Obwohl damals kaum einer ernsthaft daran glaubte, dass der Palast im wiedervereinten Deutschland saniert und wiedereröffnet wird. Man war schon bestrebt, die Symbole der DDR zu eliminieren.“

In der Ausstellung wird auch an den Chefarchitekten Heinz Graffunder erinnert.
Foto: Sammlung Karolin Huber

Laut Wolle soll der 1994 verstorbene Chefarchitekt des Palastes der Republik, Heinz Graffunder, noch mit Kollegen versucht haben, das Bauwerk zu retten. „Wir haben Modelle aus seinem Nachlass bekommen, die zeigen, einen Teil des Palastes mit Teilen der Schlossfassade zu verbinden.“ Die Modelle will das DDR-Museum aber erst zum Jahresende präsentieren. Dafür werden aber in der Sonderschau der Bauhelm und die Zeichenstifte gezeigt, die an den Palast-Erbauer Graffunder erinnern sollen.