Immer mehr Berliner Schüler sollen in übervollen Klassen lernen. Dagegen demonstrierten am Mittwoch gut 200 Eltern und Pädagogen der Erika-Mann-Grundschule in Wedding. Die Schule soll nämlich immer mehr Schüler und nun erneut eine zusätzliche Klasse aufnehmen.

„Vor zwei Jahren mussten ein Computerraum und ein Freizeitraum aufgegeben werden, jetzt wird die Lernwerkstatt ausgeräumt und als Klassenraum eingerichtet“, sagte Jan Krebs, Vize der Gesamtelternvertretung. Schon jetzt werde in vier Schichten zu Mittag gegessen, seien die Pausen versetzt, weil nicht alle Kinder Platz auf dem Schulhof haben.

„Das widerspricht dem Schulprofil“

Die Pädagogen der angesehenen Erika-Mann-Grundschule haben nun einen Brief an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und Mittes Schulstadtrat Carsten Spallek geschrieben. „Wir sind an der Grenze des Machbaren angekommen“, heißt es darin. Die Gründe: Die Schule habe ganz bewusst elf Prozent Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufgenommen. Nun drohten völlig überfüllte 4. Klassen mit je gut 27 Kindern. „Eine inklusive Förderung ist in dieser Klassenstärke aber nicht mehr möglich“, schreiben die Pädagogen.

Ohnehin habe die Schule altersgemischte Lerngruppen für Erst-, Zweit- und Drittklässler eingerichtet. Nun müsse sie aber eine weitere altershomogene Klasse einrichten. „Das widerspricht dem Schulprofil“, sagt Elternvertreter Jan Krebs.

Eigentlich waren geringere Klassengrößen geplant

Die Pädagogen stellen fest, dass die räumliche Enge sich bei den Kindern schon jetzt durch gesteigerte Aggressionen und mehr Konflikte bemerkbar macht.

Die Eltern erinnern zudem daran, dass für Schulen in Wedding vor ein paar Jahren noch geringere Klassengrößen vorgesehen waren, um die Schüler aus eher armen, oft migrantischen Familien stärker individuell fördern zu können. Das sei nun komplett aufgegeben worden.

Es fehlt an Schulplätzen

Die Schulplanung in Mitte hat davon tatsächlich wegen der steigenden Schülerzahlen Abstand genommen. Gerade in Wedding rund um Müllerstraße und Schillerpark fehlt es an Schulplätzen und eigentlich wäre mindestens ein Neubau nötig. Stattdessen erhalten viele Schulen nun Modulare Ergänzungsbauten, werden deutlich mehr Klassen pro Jahrgang eingerichtet.

An der Erika-Mann-Grundschule, die wegen ihrer vorbildlichen Arbeit auch schon von Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht wurde, ist dafür aber auf dem Schulhof kein Platz. Durch neue Richtlinien der Verwaltung verlieren zudem Brennpunktschulen auch noch Lehrerstunden.