Die Berliner Polizei ermittelt in den eigenen Reihen. Nach Informationen der Berliner Zeitung geht es um den Verdacht, dass zwei Mitglieder von arabischen Großfamilien die Polizei gezielt unterwandert haben. Die Ermittlungen werfen eine dringende Frage auf: Wie genau werden Kandidaten überprüft, bevor sie in den Polizeidienst übernommen werden?

Polizeisprecher Thomas Neuendorf musste in dieser Woche nach einem anderen Vorfall an der Polizeiakademie bereits einräumen, dass es auch Bewerber gebe, die zuvor straffällig geworden seien. Ein langjähriger Beamter des Landeskriminalamtes (LKA) schrieb daraufhin in einem offenen Brief, dass die öffentliche Verwaltung und die Justiz von Clanmitgliedern unterwandert würden.

Unterwanderung bereits begonnen

Die CDU-Fraktion forderte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Freitag zum Handeln auf. Er müsse gerade die Gefahr einer Unterwanderung der Polizei durch arabische Großfamilien ernst nehmen, sagte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Burkard Dregger. Doch Geisel wiegelte ab. „Niemand kann derzeit den Wahrheitsgehalt seriös überprüfen. Ich warne davor, auf dieser vagen Grundlage vorschnell und lautstark politische Forderungen zu formulieren oder Menschen zu diskreditieren“, erklärte der Senator.

Auslöser der Diskussion waren zwei anonyme Hinweise. Ein Gastdozent hatte sich in einer Sprachnachricht über das Verhalten von Polizeischülern mit Migrationshintergrund empört. Kurz darauf gelangte der offene Brief des LKA-Beamten, der im Bereich der organisierten Kriminalität ermittelt, in Umlauf. In dem Schreiben, das der Berliner Zeitung vorliegt, heißt es, „dass diese Unterwanderung der arabischen Großfamilien bereits begonnen hat“.

Ein besorgter Polizeibeamter

Die Polizeivizepräsidentin und angehende Generalstaatsanwältin Margarete Koppers habe dies wissentlich unterstützt, so der Autor. Aus Polizeikreisen heißt es, dass viele ältere Ausbilder der Polizeiakademie die von Koppers vorangetriebene Strukturreform bei der Polizei missbilligten. Es heißt, Koppers wolle bewährte Methoden und Lerninhalte abschaffen.

Zudem lasse sich Koppers strafrechtlich von einem Anwalt vertreten, der auch eine arabische Großfamilie vertrete. Sicherlich, so der Kriminalpolizist, stehe ihr die Wahl ihres Anwalts frei, aber als Vizepräsidentin müsse sie sich so verhalten, dass das Ansehen der Polizei nicht geschädigt werde. Unterschrieben ist der Brief mit: "ein besorgter Polizeibeamter".

„Junge Leute mit Qualität gehen in andere Bundesländer“

SPD-Abgeordnete vermuten hinter den anonymen Hinweisen eine Kampagne, um die Führung der Polizei und die der Polizeiakademie abzusägen. „Wer derartigen Unsinn in die Welt setzt, der will dem Ansehen der Polizei bewusst schaden“, sagt SPD-Innenexperte Frank Zimmermann. Der SPD-Abgeordnete Tom Schreiber werde seit Wochen mit Hinweisen auf Missstände in der Polizeiakademie bombardiert. „Wenn ich aber Beweise anfordere, dann tauchen die anonymen Hinweisgeber ab oder sind nicht mehr zu erreichen“, so Schreiber. Der Grund dafür sei, dass Kritiker Repressalien von der Polizeiführung befürchteten.

Die aktuelle Debatte zeigt, wie schwer es ist, Nachwuchs zu gewinnen. In diesem Jahr musste die Bewerbungsfrist für den Nachwuchs bereits dreimal verlängert werden, weil sich nicht genügend geeignete Kandidaten fanden. „Die jungen Leute mit Qualität gehen in andere Bundesländer“, sagt Michael Böhl, Landesvorsitzender vom Bund Deutscher Kriminalbeamter.