Was eine 600 Quadratmeter große Turnhalle war, war am Donnerstag nur noch ein verkohltes Trümmerfeld. Der Brandgeruch waberte bis hinüber zu den Flüchtlingshäusern in der Nähe.

Erst gegen Mitternacht waren die letzten Glutnester gelöscht. Und erst kurz kurz nach 13 Uhr konnten die Feuerwehr den mittlerweile abgekühlten Brandort der Polizei übergeben. Die muss jetzt klären, was die Ursache für den Großbrand am Mittwoch auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Reinickendorf ist.

Spürnase Ayscha

Beamte einer Hundertschaft suchten das Gelände nach Hinweisen auf eine Straftat ab, doch sie fanden nichts. Ein Polizeihubschrauber fertigte Übersichtsaufnahmen an. Am späten Nachmittag durchschnüffelte die sieben Jahre alte Schäferhündin „Ayscha“ die Asche. Der Brandmittelspürhund kann Rückstände von Brandbeschleuniger riechen. Eindeutige Zeichen zeigte Ayscha nicht. An einer Stelle blieb sie länger, sodass die Brandermittler Proben vom Schutt nahmen. Die Größe des Brandortes macht es den Ermittlern schwer, sich festzulegen, wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist – ob der Brand gelegt wurde, oder ob er eine andere Ursache hat, etwa einen Kurzschluss der veralteten Elektroanlage. Polizeisprecher Thomas Neuendorf schließt nicht aus, dass die Ermittlungen noch Tage dauern könnten. Am Donnerstag hieß es, „ein Verdächtiger“ sei gefasst worden. Neuendorf bestätigte, dass ein Mann überprüft worden sei. Ein dringender Tatverdacht habe sich bislang nicht ergeben.

Die Sporthalle war hauptsächlich von der Betriebssportgruppe des Klinikkonzerns Vivantes genutzt worden. Einmal in der Woche spielten Flüchtlingskinder dort Fußball. Auf dem Gelände der einstigen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik leben 900 Flüchtlinge in vier Häusern. Für Donnerstag hatten der Verein Gangway und die Heimleitung ein Fest für Flüchtlinge geplant. „Es wurde nach dem Brand abgesagt“, sagte Gangway-Sprecherin Anja Beer. Denn viele der Flüchtlinge seien vom Krieg schwer traumatisiert.

Wegen der Flüchtlinge, die in der Nähe der Brandstelle wohnen, und weil es zuletzt wiederholt Brandanschläge auf Unterkünfte gab, waren Politiker besonders sensibilisiert. So besuchten Innensenator Frank Henkel, Sozialsenator Mario Czaja (beide CDU) und Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) die Brandstelle. Erst in der Nacht zum Dienstag brannte in Nauen bei Berlin eine Turnhalle ab, die als Flüchtlingsunterkunft vorgesehen war. Vorige Woche gab es einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Marzahn.

Einer hat sich schon festgelegt

In ihren Presseerklärungen gaben sich die meisten Politiker besorgt – aber auch zurückhaltend, was die Brandursache angeht. Festgelegt hat sich dagegen Christopher Lauer von der Piratenpartei, der den Ermittlungsergebnissen vorgriff und einen „rechtsterroristischen Akt“ sieht: „Für mich lassen die Ereignisse der vergangenen Tage nur den Schluss zu, dass es sich bei dem Feuer um einen Brandanschlag handelt.“

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