Berlin - Tausende Menschen haben am Sonnabend in der Berliner Innenstadt gegen industrielle Landwirtschaftsbetriebe und Massentierhaltung und für eine Reform der EU-Agrarpolitik demonstriert. 

Die Demonstration zwischen Hauptbahnhof und Kanzleramt mutete trotz Schneeregen und eisiger Temperaturen wie ein Karnevalszug an. Begleitet von zahlreichen Trommler-Gruppen hatten sich viele Teilnehmer bunt kostümiert und skandierten Sprechchöre wie „Hopp, hopp, hopp, Tierfabriken Stopp“. 

"Wir haben es satt!"

Familien mit Kindern nahmen teil. Örtliche Initiativen aus dem gesamten Bundesgebiet waren teils mit Reisebussen angereist. Etwa eine Bürgerinitiative aus Handorf bei Lüneburg, die gegen eine geplante Schweinefabrik mobil macht. „Viele Leute bei uns denken jetzt neu nach. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele mit machen“, sagte Güde Matthisen-Großer. Mit zehn Mitstreitern ist die 59-Jährige nach Berlin gekommen. Eine noch weitere Anreise hatte Vapru Sairinen aus Rotterdam. Die 32-Jährige tänzelte gemeinsam mit vier als grell-pinke Schweinchen kostümierten Kolleginnen der Niederländischen Klimaorganisation "Milieudefensie" durch die Reihen.

Mehr als 90 Organisationen - Tier- und Umweltschützer, Landwirte, Imker und Entwicklungshelfer - hatten bundesweit zu der Kundgebung aufgerufen. Anlässlich des Agrarministergipfels wollten sie unter dem Motto „Wir haben es satt!“ auf die Risiken industrieller Lebensmittelproduktion aufmerksam machen und warfen Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) vor, Reform-Ansätze in der EU-Agrarpolitik zu blockieren. 

Geschätzte 23 000 Demonstranten

„Wir sind mehr als zufrieden. Wir sind eine Bewegung geworden“, sagte Mitorganisator Jochen Fritz von der Plattform „Meine Landwirtschaft“. Nach Veranstalterschätzungen nahmen rund 23 000 Menschen an der Demonstration teil. Beim Auftakt vor zwei Jahren sei man mit 200 gestartet, sagte Fritz.