Berlin - Ursprünglich sollte der alte Erdgasspeicher in Charlottenburg als strategische Reserve dienen, um zu Zeiten des Kalten Krieges nicht von sowjetischem Gas abhängig zu sein. Diese Zeiten sind vorbei. Die Stilllegung der Anlage ist längst vollzogen. Doch nun könnte die drei mal vier Kilometer große Anlage reaktiviert werden: Der Betreiber Gasag denkt über eine Nutzung zur Speicherung von erneuerbaren Energien nach.

Der Erdgasspeicher westlich des Olympiastadions ähnelt einem unterirdischem Gebirge. In 800 Metern Tiefe befindet sich das Erdgas in einer porösen Sandsteinschicht. Gefordert wurde der Bau in den 80er-Jahren vom Alliierten Kontrollrat, der damit mehr Unabhängigkeit West-Berlins von sowjetischen Erdgaslieferungen erreichen wollte. Doch erst 1992 war der Speicher fertig und konnte in Betrieb genommen werden.

Betrieb der Anlage nicht mehr wirtschaftlich

Immerhin war er auch nach der Wende für die Berliner noch von Nutzen: Zwar wurde die strategische Reserve nicht mehr gebraucht. Es gab nun auch Zugang zu anderen Gasquellen, etwa aus Norwegen. Doch konnte man mittels der Speicherung Preisschwankungen umgehen. Stieg der Gaspreis im Winter an, konnte weiterhin auf eingespeichertes Gas zurückgegriffen werden. Doch auch dieser Vorteil war bald dahin. Die Preisunterschiede sind allmählich kleiner geworden, der Betrieb der Anlage schließlich nicht mehr wirtschaftlich. 2016 beschloss Gasag die Stilllegung.

Seither wird die Anlage für den Rückbau vorbereitet, das dauert. Es kann nicht auf einmal alles Gas entnommen werden. 2023–2025, so das einmal ausgegebene Ziel, sollte der Gasspeicher endgültig Geschichte sein. Eigentlich.

Erneuerbarer Strom soll gespeichert werden

Nun gibt es neue Gedankenspiele. „Wir prüfen gerade, welchen Beitrag eine solche Anlage für ein erneuerbares Energiesystem liefern kann“, sagt Holger Staisch, Geschäftsführer des Berliner Erdgasspeichers. Dafür habe man zwei Ideen entwickelt. Die erste: Mittels Bohrungen zu tieferen Schichten soll an Erdwärme gelangt werden, die dann in umliegende Quartiere eingespeist und als neue Energiequelle genutzt werden kann: Geothermie heißt der Vorgang im Fachjargon.

Die zweite Idee: Zu viel erzeugter Strom aus erneuerbaren Energien soll aus Brandenburg importiert und dann in der Anlage zu Erdgas umgewandelt werden, so will man die Energie speichern. Dafür soll der Strom zu Wasserstoff umgewandelt werden. Sobald dieser wiederum im Untergrund mit CO2 und bestimmten Bakterien in Berührung kommt, entstehe Methan, also Erdgas.

Ob das in der Umgebung möglich ist, muss noch in aufwendigen Laboruntersuchungen geprüft werden. Dafür sind Fördermittel nötig, für beide Ideen wolle man nun Anträge einreichen. Bei Aussicht auf Erfolg könne ab 2025 mit einem Neubetrieb gerechnet werden. Dann, wenn der Erdgasspeicher eigentlich Geschichte sein sollte.