David K. sitzt stur hinter der Balustrade aus Holz, hinter der sich der Platz für den Angeklagten befindet. Als die Richter der 40. Großen Strafkammer am Freitag in den Saal kommen und alle Anwesenden aufstehen, bleibt der Mann sitzen. Der 44-Jährige sieht demonstrativ in die andere Richtung. Er erhebt sich auch auch nicht, als ihn Peter Schuster, der Vorsitzende Richter, dazu auffordert. Der Mann mit Glatze taucht schließlich ganz hinter der Holzwand ab. Es sieht so aus, als wäre die Anklagebank leer.

David K. verhält sich weiter bockig, nennt seinen Namen nicht, sein Geburtsdatum. Ist ja ohnehin alles bekannt. Auch von seinem Anwalt will er nichts wissen, er soll jedes Gespräch mit ihm abgelehnt haben. Soviel Widerspenstigkeit ist selten vor Gericht.

Leiche fehlt noch heute

Dabei steht für David K. viel auf dem Spiel. Er ist extra für dieses Verfahren aus der nordrhein-westfälischen Haftanstalt Rheinbach nach Berlin verlegt worden. In Rheinbach sitzt er eine 15-jährige Haftstrafe wegen Totschlags ab. Nun steht für den Mann, der bereits zwei Menschen umgebracht hat, die Sicherungsverwahrung auf dem Spiel. Denn in Berlin soll David K. erneut einen Menschen getötet haben: den 45 Jahre alten Detlef G., der in einer Wohnung in der Drontheimer Straße in Wedding lebte und der seit April 2009 verschwunden ist. Die Anklage lautet auf Totschlag.

Staatsanwalt Martin Glage geht davon aus, dass der vermisste Detlef G. erschlagen wurde – am Abend des 18. April 2009 in der eigenen Mietswohnung. Glage geht außerdem davon aus, dass David K. der Täter war, dass er mit dem 1,90 Meter großen, hageren Mann in dessen Wohnung ging, dass es dort zwischen Sonnenuntergang und 22 Uhr zu einem Streit kam, bei dem sich der Angeklagte spontan entschlossen haben soll, Detlef G. zu töten.

Mit einem stumpfen Gegenstand habe der Angeklagte auf den Kopf seines Opfers eingeprügelt, so Glage. Danach soll David K. die Wohnung gereinigt und die Leiche beseitigt haben. Die Ermittler nehmen an, dass der Angeklagte den Toten in einem der Müllcontainer entsorgt haben könnte, die zur Tatzeit am Haus standen. Die Leiche fehlt bis heute.

Blutspuren in Wohnung

Detlef G. war am 1. Mai 2009 von seinem Betreuer als vermisst gemeldet worden, weil G. nicht zu einem Termin für die monatliche Geldzuweisung gekommen war. In der Wohnung fanden Polizeibeamte Blutspuren, die auf ein Gewaltverbrechen hindeuteten. Alles Reinigen hatte nicht geholfen. Doch erst nach dem gewaltsamen Tod einer 52-jährigen Frau in einem Ortsteil von Düsseldorf im Sommer 2010 wurden die Berliner Fahnder auf David K. aufmerksam. K. hatte die Frau mit 38 Messerstichen getötet, war danach festgenommen und im Januar 2011 vom Landgericht Düsseldorf wegen Totschlags zur Höchststrafe von 15 Jahren verurteilt worden.

Die Auswertung einer DNA-Spur aus der Berliner Wohnung von Detlef G. führte zu dem Totschläger. Kriminaltechniker sollen in der Wohnung auch einen Abdruck im entdeckten Blut gefunden haben – von Schuhen, wie sie wohl auch der Angeklagte getragen hatte. Die beiden Männer kannten sich seit Jahren, sie hatten sich offenbar in der Suppenküche in der Wollankstraße kennengelernt. Sie sollen am Tatabend gesehen worden sein, als sie in die Wohnung von Detlef G. gingen. Danach war der 45-Jährige verschwunden.

Der Angeklagte ist mehrfach vorbestraft. Nicht nur wegen Totschlags an der Frau in Düsseldorf. Bereits mit 17 Jahren wurde er wegen Mordes an einem siebenjährigen Mädchen zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren verurteilt. Er hatte das Kind im Keller eines Hochhauses bei Aachen missbraucht und getötet.