Berlin-Lichtenberg - Nach seinem Umzug vom Plänterwald auf einen Parkplatz an der Landsberger Allee gibt’s jetzt Ärger mit dem Bauamt. Es verbietet Einsiedler Thomas Pollhammer, auf der Parkfläche mit seinem Haus zu wohnen. Der 41-Jährige sagt genervt: „Ich stehe kurz vor einem Umzug nach Augsburg.“ Politiker streiten sich um ihn und suchen nach einer Lösung.

Bauamt in Lichtenberg untersagt Wohnen in Mini-Haus

Mit großem Medienrummel war der Waldbewohner samt Hütte vergangene Woche auf den Parkplatz eines Möbelhauses gezogen. Eine Organisation hat dort mit ihm als Pionier ein Dorf aus Mini-Häusern errichtet (tiny house village). Das bekam das Bauamt in Lichtenberg mit und untersagte das Wohnen per Brief. Pollhammers selbst gebautes Haus darf stehen bleiben, doch er schläft nun an unbekanntem Ort im Zelt, sagt er.

Ein Referent der zuständigen Bezirksstadträtin Birgit Monteiro (SPD) bestätigt das Schreiben vom 14. März und erklärt: „Im Bebauungsplan steht, dass das eine Parkfläche ist. Und auf der darf nicht gewohnt werden, auch wenn der Platz ein privater ist.“

Birgit Monteiro ist sich uneins mit dem Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke). Der Bürgermeister findet die Idee mit den Mini-Häusern „sehr spannend“, sagt sein Sprecher. Grunst kündigt an, Pollhammer sogar besuchen zu wollen. Ein Termin soll nun gefunden werden. Neben seiner Hütte (1,60 Meter hoch, 3,50 Meter lang und 2,50 Meter breit) stehen fünf weitere sogenannte Tiny Houses, die Besucher besichtigen, mieten, kaufen oder nachbauen sollen. Es ist ein Projekt des Architekten Van Bo Le-Mentzel.

Thomas Polhammer denkt über Umzug nach Bayern nach

Pollhammer ist inzwischen mächtig genervt vom Hin und Her: Acht Jahre hatte er versteckt im Plänterwald gelebt, bis ihn ein Förster entdeckte und er weg musste. „Jetzt muss ich wieder weichen. Dabei gehört es doch zur Menschenwürde, ein Dach über dem Kopf zu haben“, appelliert er.

Nun überlegt der gebürtige Bayer, nach Augsburg zu ziehen. Er hat eine Frau kennengelernt, die ihm angeboten hat, dort auf einem Hof sein Haus zu errichten. Er sagt: „Ich will auch mal ankommen.“

Die Politiker ringen im Streit um eine Lösung für Thomas Polhammer. Monteiro möchte nicht als Vertreiberin dastehen. „Wir sind mit dem Möbelmarkt, den Organisatoren und Herrn Pollhammer im Gespräch. Wir wollen eine Lösung“, so ihr Referent. Thomas Pollhammer sagt: „Naja, ein richtiges Hausverbot ist es ja nicht. Ich will die Sache nicht schlimmer machen, als sie ist.“ Für Fernsehteams gibt es aber aktuell ein Drehverbot auf dem Parkplatz.