Berlin - Erich Honecker persönlich hatte es vor 32 Jahren mit einem großen Staatsakt eingeweiht: Inzwischen befindet sich das Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße in einem beklagenswerten Zustand. Der Granitsockel wird ständig von Jugendlichen mit Graffiti beschmiert.

Viel schlimmer ist allerdings die von Experten jüngst festgestellte Tatsache, dass sich Rost durch die Stahlkonstruktion frisst. Diese stützt im Innern das Bronze-Monument, das den 1944 von den Nationalsozialisten ermordeten KPD-Chef Ernst Thälmann mit Fahne und erhobener Faust darstellt. Jahrelang kümmerte sich das Land Berlin kaum um den Erhalt des Denkmals aus DDR-Zeiten. Politisch wurde um einen Abriss gestritten. Jetzt kommt die Wende: Der Senat will das Ernst-Thälmann-Denkmal sanieren, wie die Berliner Zeitung erfuhr.

Durch die Luke ins Innere

Das Landesdenkmalamt hat sich der Sache angenommen, das zur Senatskulturverwaltung gehört. „Im Ergebnis einer Untersuchung des Thälmann-Denkmals soll ab 2020 der Granitsockel und die Bronzebüste saniert werden“, sagte Daniel Bartsch, Sprecher von Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke), der Berliner Zeitung. Bereits vor Monaten sorgte sich das Landesdenkmalamt um den Zustand des Monuments.

Die Behörde beauftragte daher den Berliner Diplom-Restaurator Mario Jehle, der vor allem die Standsicherheit des Denkmals überprüfen sollte, das 2014 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Tagelang suchte Jehle zusammen mit Kollegen von einer Hebebühne aus das 13 Meter hohe Denkmal detailliert nach Schäden ab. Der Fachmann stieg dabei auch über eine Wartungsluke in das 50 Tonnen schwere Bronze-Monument ein, das nach Plänen des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel aus über 200 Einzelteilen aufgebaut und am 15. April 1986 zum 100. Geburtstag von Thälmann eingeweiht wurde. 

Im Innern des bronzenen Thälmann-Kopfes sieht es wie in einer Höhle aus. Jede Menge U- und T-förmige Stahlträger befinden sich dort, die den Koloss stützen. Restaurator Jehle entdeckte, dass die Konstruktion wegen der hohen Luftfeuchtigkeit an vielen Stellen rostet. „Zwar besteht nicht die Gefahr, dass das System gleich droht einzustürzen. Aber damit sich der Rost nicht weiter ausbreitet und die Schäden am Gerüst nicht größer werden, sollte etwas dagegen unternommen werden“, empfahl Jehle dem Landesdenkmalamt. Auch könnten die Kosten steigen, sollte man eine Sanierung länger hinausschieben.

Belüftung im Innern

Das Landesdenkmalamt arbeitet derzeit an einem Sanierungsplan. Laut Auskunft der Behörde sei geplant, die Stahlträger im Innern vom Rost zu befreien und die Stützen mit einer Schutzschicht zu versehen. Um zu verhindern, dass weiter zu viel Feuchtigkeit in den Hohlraum eindringt, soll die Belüftung des Denkmal-Inneren verbessert werden. Weiterhin ist vorgesehen, dass außen an dem riesigen Thälmann-Kopf Risse und der jahrelange Dreck beseitigt werden. Zudem erhält der Kopf eine Schicht aus Wachs, um den neuen Bronzeglanz zu schützen.

Die Arbeiten sollen laut Landesdenkmalamt zwischen 100.000 und 150.000 Euro kosten. Im Zuge der Sanierung wird auch der beschmierte Granitsockel gereinigt. Fraglich ist, wie lange dieser in Zukunft graffitifrei bleibt. Eine farbabweisende Schutzschicht ist offenbar nicht geplant, die am Granitsockel aufgetragen werden könnte. Fest steht aber, dass die bröckelnde Treppe, die zum Denkmal führt, ebenfalls saniert wird. Die dort bereits provisorisch eingesetzten Zement-Platten sollen durch schönere Granit-Platten ersetzt werden.