Der Berliner Senat möchte das verwahrloste Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße sanieren lassen. Ob sich das lohnt? Schon in den 1990er-Jahren empfahl eine sozialdemokratisch dominierte Historikerkommission, den 1986 eingeweihten kommunistischen Bronzeklotz zu entsorgen. Ohne Erfolg. Nun steht das Monument seit 2014 unter Denkmalschutz. Des ungeachtet möchten es FDP und CDU jetzt gerne verschwinden lassen. Anders die AfD. Weil sie in den SED-PDS-Linke-Milieus zahlreiche Anhänger findet, plakatierte sie schon mehrfach „Teddys“ Porträt, versehen mit dem Slogan „Ernst Thälmann würde AfD wählen!“. (Als Historiker kann ich diese Annahme weder bestätigen noch widerlegen.)

Egal, wer alles den Thälmann-Koloss liebt, ihn aus museologischen oder taktischen Gründen erhalten möchte, auch ich bin für die Sanierung! Allerdings unter klaren Bedingungen, auch wenn diese an den geschichtsideologisch verstopften Ohren rot-rot-grüner Thälmann-Freunde abprallen sollten. Wie schon in anderen Fällen plädiere ich auch in diesem dafür, die in Straßennamen und Denkmälern geronnenen Erinnerungen an ambivalente Personen und Ereignisse unserer Geschichte zu bewahren. Das muss mit weitem Herzen geschehen. Ich finde es schändlich, wenn wir Nachgeborenen geschichtliche Säuberung betreiben und uns als vermeintlich bessere Menschen aufspielen. Das heißt: Wer das Thälmann-Denkmal saniert, der sollte sich auch um das zuletzt 1936 restaurierte Denkmal für Friedrich Ludwig Jahn (alias „Turnvater“) in der Neuköllner Hasenheide kümmern. Schon ertönt der Zwischenruf: „Jahn war Antisemit und Franzosenhasser!“ Richtig. Allerdings gehörte er im Gegensatz zu Thälmann nicht zu den Totengräbern der Weimarer Republik, sondern machte sich als republikanischer Demokrat verdient. Im Übrigen lag Thälmann der Antisemitismus nicht fern. Zum Beispiel stellte das von ihm geführte Zentralkomitee der KPD 1932 fest: „Jüdisches und nichtjüdisches Kapital sind untrennbar miteinander versippt und verquickt, auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Jüdisches Geld nährt auch den Faschismus. Faschistische Streikbrecher stehen im Sold jüdischer Industrieller.“

Wer sich für Thälmann einsetzt, der muss aus einer grundsätzlichen geschichtspolitischen Haltung heraus auch den Karl-Bonhoeffer-Weg verteidigen, ebenso den Namensgeber der Beuth-Hochschule oder die in tolerantester und ehrender Absicht vor mehr als 300 Jahren so benannte Mohrenstraße. Ob es sein musste, dass der erst 2010 von der Humboldt-Universität geschaffene Caroline-von-Humboldt-Preis einer aktiven Judenfeindin gewidmet werden musste, steht auf einem anderen Blatt.

Thälmann führte am 23. Oktober 1923 den Hamburger Aufstand an. Dabei starben 14 Polizisten, 24 Aufständische, 61 unbeteiligte Bürger. (Zum Vergleich: der 16 Tage später unternommene Putschversuch Hitlers: 15 tote Nazis, vier tote Polizisten, ein getöteter Passant.) Mit Hilfe der Sozialfaschismus-„Theorie“ erklärte Thälmann 1929 die SPD zum Hauptfeind der KPD. So betrieben er und seine Partei den Untergang der Republik – und dennoch steht sein Name und seine Ermordung 1944 im KZ Buchenwald stellvertretend für die Erinnerung an mehr als 25 000 von deutschen Nationalsozialisten ermordete deutsche Kommunisten.