Das Unternehmen Stattbau mit Sitz in Friedrichshain ist spezialisiert auf Beteiligungsverfahren und Baubetreuung. Stattbau entstand 1982 in Kreuzberg, die Mitarbeiter kümmerten sich um besetzte Häuser und deren Legalisierung. Der Bezirk Pankow hat Stattbau jetzt beauftragt, eine Voruntersuchung im Viertel Ernst-Thälmann-Park durchzuführen. Ein Konzept und ein Leitbild sollen so entstehen. Anwohner werden befragt, es gibt Workshops und Begehungen. Stadtplanerin Genia Krug arbeitet seit 1991 bei Stattbau, sie leitet die Projektgruppe Thälmannpark.

Frau Krug, wie beschreiben Sie das Wohngebiet aus stadtplanerischer Sicht?

Das Areal ist 40 Hektar groß, es gibt Plattenbauten mit Parkplätzen, die Wohnungen sind komfortabler als normale Plattenbauten und die Punkthochhäuser sind schon was Besonderes. Wir haben ein grünes Band im Norden und rundherum ein wahres Häusermeer an Altbauten aus der Gründerzeit. Es gibt aber auch viele Flächen, auf denen vermeintlich viel passieren könnte.

Das ist ja die Sorge der Bewohner, dass sich plötzlich ganz viel verändern könnte. Warum kann das Areal nicht so bleiben, wie es ist?

Stadt heißt auch, dass sich immer was entwickelt und verändert. Auf dem Gebiet lastet heute ein erhöhter Druck. Es gibt immer wieder aktive Investoren, die sich für den Thälmannpark interessieren. Sie haben Ideen und die stehen jetzt auf dem Prüfstand. Gleichzeitig steht fest, die Stadt braucht Platz für neue Wohnungen. Wir haben keinen entspannten Wohnungsmarkt mehr. Es ist also legitim zu fragen, ob man etwas Neues bauen kann, und was aus den Freiflächen wird. Und wir wollen herausfinden, ob der Thälmannpark ein Sanierungsgebiet werden kann.

Sie wollen ein Leitbild entwickeln. Wie könnte es aussehen?

So ein Leitbild ist wie eine Überschrift. Es geht um die Stärken und Schwächen in einem Gebiet, um Chancen und Risiken. Es kann lauten: Wohnen für alle, Grün für alle! Fest steht: Der Thälmannpark soll ein Wohngebiet für alle bleiben.

Viele Bewohner sind skeptisch wegen der geplanten Veränderungen. Sie sollen mitentscheiden, doch sie denken, ihre Stimme werde nichts bewirken. Wie überzeugen Sie diese Menschen?

Ich kenne diese Skepsis. Wir nehmen diese Stimmen auf, wir wollen diese Argumente verstehen. Es geht ja nicht darum, den Thälmannpark zuzubauen, aber es muss sich was ändern: Die Schule ist zu eng, die Kitaplätze reichen nicht, Spielplätze müssten erneuert werden. Die Hochhäuser und Plattenbauten brauchen eine Auffrischung und sollten bedarfsgerecht instand gesetzt werden. Die Böden sind immer noch belastet aus den Zeiten des alten Gaswerkes.

Und was wird aus dem Thälmann-Denkmal?

Viele Bewohner empfinden für das Denkmal eine Hassliebe. Sie finden es nicht schön, aber es gehört nun mal dazu. Wir wollen mit dem Platz anders umgehen, ihn anders nutzbar machen. Die Frage ist doch: Was wollen die Anwohner? In dem Sinn ist alles ergebnisoffen.

Das Gespräch führte Stefan Strauß.