Seit vielen Jahren diskutieren Anwohner, Stadtplaner und Bezirkspolitiker in Pankow darüber, in welchem Umfang Wohnungen auf dem nördlich gelegenen Teil des Ernst-Thälmann-Parks gebaut werden sollen.

Anwohner fordern eine komplette Grün- und Frischluftschneise, da Grün- und Erholungsflächen fehlen. Politiker verweisen darauf, dass dringend neue Wohnungen benötigt werden.

Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) plädiert nun für eine städtebaulich sinnvolle und angemessene Bebauung – locker statt dicht gedrängt. „Die Stadt ist voll von stadtentwicklungspolitischen Sünden. Dem muss man nicht noch weitere hinzufügen“, sagte Benn der Berliner Zeitung. „Im Augenblick ist ja jeder, der nicht überall bedingungslos maximale Baumassen zulassen will, als unverantwortlich gebrandmarkt.“

1700 Bewohner fordern die Fläche unbebaut zu lassen

In einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2015 steht, dass am nördlichen Rand des Ernst-Thälmann-Parks etwa 600 neue Wohnungen gebaut werden sollen. Etwa 200 davon zu sozialverträglichen Mieten von 6,50 Euro. Geplant ist zudem ein 100 Meter hohes Hotel.

Ob der Bezirk aktuell tatsächlich noch bei der 2015 festgelegten Anzahl der neu zu bauenden Wohnungen bleibt, ist derzeit fraglich. Das städtebauliche Gesamtkonzept müsse mit allen Akteuren, insbesondere mit den Anwohnern, überarbeitet werden, hat das Bezirksamt im September 2017 festgelegt.

Auch ein „Grünzug in funktional angemessener Breite“ müsse sichergestellt werden. Damit reagiert der Bezirk in Teilen auf die Forderungen der Anwohner-Initiative Ernst-Thälmann-Park, die gesamte Fläche unbebaut zu lassen. Einen Einwohnerantrag unterschrieben mehr als 1700 Bewohner.

30 Millionen Euro vom Senat

Für Irritationen sorgte nun ein Medienbericht, wonach Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) den Wohnungsbau im Thälmannpark gestoppt haben soll, weil sie das Verfahren nicht an sich zog. Diese Praxis entspricht der neuen Linie der rot-rot-grünen Koalition. Anders als früher, übernimmt der Senat die Bauplanung nur auf Wunsch der Bezirke. Pankow hat diesen Wunsch nicht geäußert. „Wir bauen, was sinnvoll und langfristig verantwortbar ist. Und das in aller gebotenen Zügigkeit“, sagte Bürgermeister Benn.

Es gehe darum, öffentliche Flächen im Thälmannpark zu gestalten mit Schulcampus, Wohnungsbau und Grünflächen. Aktuell werden Schulen, Sport- und Parkanlagen erneuert und vergrößert. Der Senat stellt dafür 30 Millionen Euro bereit.