Eröffnung am Freitag: Schiller-Bibliothek in Wedding noch nicht fertig

Bibliotheken sollten nie ganz fertig sein und sich an die Entwicklung der nächsten Jahre anpassen – das sagt Stefan Rogge, der Chef der Bibliotheken in Mitte. Es klingt am Montag wie eine Entschuldigung, denn die neue Schiller-Bibliothek an der Müllerstraße gleich neben dem Weddinger Rathaus ist alles andere als fertig, obwohl der Vorzeigebau am kommenden Freitag eröffnet werden soll.

Die Fassadenverkleidung aus Metall ist nur zur Hälfte installiert, das Baugerüst steht noch, innen wird noch gemalert. Und aus den kahlen Betonwänden und von den Decken hängen Kabel, die nicht angeschlossen sind.

Sozialer Treffpunkt

Trotzdem ist das unfertige Haus ein Signal für den Wedding und die Müllerstraße, einem sozial schwierigen Kiez. Nachdem der Bezirk schon den Leopoldplatz auf der anderen Straßenseite neu gestaltet hat, ist nun das Umfeld des Rathauses dran: Für 6,4 Millionen Euro – zum großen Teil aus Fördermitteln der EU sowie von Bund und Land aus dem Programm „Aktive Zentren“ finanziert – wurde die Bibliothek nach einem Entwurf des Büros AV1 aus Kaiserslautern errichtet. Das schmale und 170 Meter lange Haus wurde an Nachbargebäude angebaut und verdeckt jetzt eine hässliche Brandwand. „Gerade Jugendliche brauchen Bibliotheken. Diese sind soziale Treffpunkte und bieten Raum zum Arbeiten“, sagt Bildungsstadträtin Sabine Weißler (Grüne). Kostenfreier Wlan-Zugang, 76 Arbeitsplätze für Computer, Lese-Ecken an den Panoramafenstern, jede Menge E-Books aber auch Spielekonsolen für Jugendliche sollen jedes Jahr bis zu 300 000 Besucher anlocken. Die Kinderbibliothek ist bereits im Erdgeschoss eingerichtet, in der Etage darüber der Bereich für Erwachsene. Ins 2. Obergeschoss entsteht eine Jugendmedienetage. Computertechnik und Bildschirme müssen zum großen Teil aber noch installiert werden.

„Die Schiller-Bibliothek hat endlich Räume, die angemessen sind“, sagt Bau-Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup. 15 000 Menschen leben in dem Kiez an der Müllerstraße, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Deshalb gestaltet das Land bis Ende 2016 für 3,1 Millionen Euro auch die Freiflächen zwischen dem Neubau und dem Weddinger Rathaus um. An der Bibliothek etwa wird ein Lesegarten angelegt.

Wie Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) betont, entsteht zudem ein neuer Verbindungsweg zwischen dem Leopoldplatz und der Beuth-Hochschule, der an der Bibliothek vorbeiführt. Das Hochhaus und der ehemalige Saal der Bezirksverordneten – der Bezirk hatte beide Gebäude an das Land abgetreten, um Schulden abzubauen – wurden bereits saniert. Dort zieht in diesem Sommer das Jobcenter ein. Ob der Verbindungsgang zum Rathaus abgerissen wird, weil er nicht benötigt wird, ist nicht entschieden.