Eröffnung des Yaam-Clubs: Das Yaam eröffnet morgen an neuem Ort

Man muss schon Optimist sein auf dieser Baustelle. Überall wird gesägt, gebohrt und gehämmert, zwischendurch fliegt Schutt in große Container, da graben Bauarbeiter an der Wasserleitung, und der Holzzaun liegt auch noch in Einzelteilen am Ufer. Doch Ortwin Rau (59), der grau gewordene Chef des Kultur- und Jugendprojekts Yaam, steht unerschütterlich mitten im Chaos und sagt: „Natürlich werden wir fertig.“

Am Mittwoch öffnet das Yaam, das Ortwin Rau vor 20 Jahren gegründet hat und das sich zur Institution für Karibik-Feeling und allgemein für ein gutes Zusammenleben vieler Kulturen entwickelte, am neuen Standort: direkt am Spreeufer neben der Schillingbrücke in Friedrichshain. Dort hatte vor gerade mal vier Wochen der Tech-House-Club Magdalena seine Abschiedsparty gefeiert. Das Magdalena will im Sommer an der Elsenbrücke in Treptow neu starten. Das 8 000 Quadratmeter große Areal an der Schillingbrücke war von der Berliner Politik eigens für das Yaam vom Liegenschaftsfonds zum Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zurückgeholt worden, der den Pachtvertrag für zweimal fünf Jahre mit Ortwin Rau aushandelte.

Der Deal gilt als Beispiel für eine neue Liegenschaftspolitik der Stadt, die Filetgrundstücke nicht mehr nur an finanzstarke Investoren verkauft, sondern damit auch soziale und kulturelle Projekte bedenkt. Ähnlich wie beim Prinzessinnengarten in Kreuzberg wird es auf dem Yaam-Gelände nun nichts mit dem Bau weiterer teurer Büros und Wohnungen. „Wir sind immer noch sehr dankbar für diese Entscheidung“, sagt Ortwin Rau.

Dankbar ist er auch für die Hilfe, die sein Team beim Umzug erfährt: „Ohne die vielen Freiwilligen wäre hier noch nichts vom neuen Yaam zu spüren“, sagt er. Täglich kommen Helfer aufs Gelände. Axel Steinhausen ist einer von ihnen. Der junge Mann, der unter Punkfreunden auch als Axl Makana bekannte Chef der Mutabor Band, sagt: „Wir haben schon oft im Yaam gespielt, da ist es selbstverständlich, dass ich helfe.“ Gemeinsam mit Hausmeister Kurt Dietrich und anderen schleppt er dicke Balken.

Das Gelände hinter dem alten Bunker, der vom Yaam wie vorher von der Magdalena als Eventhalle genutzt wird, ist nicht wiederzuerkennen. Gut 30 Tonnen Sand aus Brandenburg wurden auf der Betonfläche verteilt. Der Strand ist zwar viel kleiner als der auf dem ehemaligen Areal 300 Meter weiter westlich, aber, so Rau: „Es ist jetzt kuschliger bei uns.“ Schon ist ein Volleyballnetz gespannt, schwarze Liegestühle und bunt gestrichene Holzsitze stehen überall. Die großen Sitze hat der Künstler Marek Schovànek, der im Yaam sein Atelier hat, aus Euro-Paletten gebaut. In Kübeln wachsen Tomaten und Blumen, im künftigen „Gemeinschaftsgarten“ kann jeder mitmachen. Während an der Bar noch gezimmert wird, ist der Bereich „Kids-Corner“ schon fertig. Dort ist das Kinder-Sommerprogramm angekündigt: kostenlose Workshops für Boxen und Trommeln, für Yoga, Hula Hoop und Capoeira.

Sport auf dem Dach

Rund 40 000 Euro hat der Verein bislang in seine neue Heimat investiert. In Brandschutz, Notausgänge, neue Elektrik und komplett neue Wasser- und Abwasserleitungen. „Bei der Summe wird’s einem schon schwindelig“, sagt Ortwin Rau, der bislang stets ohne öffentliche Mittel gearbeitet hat. Umso wichtiger ist es für ihn, dass endlich der Clubbetrieb aufgenommen wird und Eintrittsgeld reinkommt, sagt er. Für das, was er auf dem Gelände noch alles plant, wird ohnehin das Mehrfache an Geld benötigt. Rau will auf dem Dach des Event-Bunkers einen Sportplatz einrichten und so den fehlenden Platz auf dem Boden ausgleichen. Das alte Dach muss sowieso erneuert werden, sagt er. Und: „Dann kann man es ja gleich richtig machen – vorausgesetzt, wir finden einen Sponsor dafür.“

Yaam-Eröffnungsfestival: 28. 5. – 1. 6. mit Melanie Fiona, DJ Vadim, Lee „Scratch“ Perry, den Ohrbooten u. a., An der Schillingbrücke, Friedrichshain, Infos über Öffnungszeiten und Acts: www.yaam.de