Vom Gerüst befreit: Das Humboldt-Forum in Berlins Mitte.
Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

BerlinDie große Geste fällt aus. Die Eröffnung des wohl ambitioniertesten Projektes der deutschen Kulturpolitik der letzten Jahrzehnte soll, wie bereits mehrfach bekannt gegeben, lediglich in mehreren kleinen Schritten erfolgen. Kurz vor Weihnachten, ab dem 17. Dezember, dürfen die Berliner zunächst einmal Tuchfühlung zum wiedererstandenen Hohenzollernschloss in Berlin-Mitte aufnehmen. Viele dürften dies auch als Angebot auffassen, eine doppelte historische Wunde zu bearbeiten. An dieser Stelle wurde in Form eines demonstrativen Staatsaktes nicht nur das einstige Preußen-Schloss gesprengt, sondern später auch der Palast der Republik abgerissen, das Zentrum der staatlich angeleiteten DDR-Kultur.

Die zögerliche Wiederaneignung des so bedeutenden Berliner Stadtraumes hat unverkennbar auch eine symbolische Komponente. Die Idee, im Innern des Humboldt-Forums die Artefakte aus verschiedenen Weltkulturen zu präsentieren, gilt als überaus umstritten, seit sich auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) ernste Fragen nach der Herkunft ihrer Objekte aus kolonialen Kontexten stellen lassen muss. Die Ursprungsidee des Humboldt-Forums, eine Art Schaufenster in die Vielfalt der Weltkulturen zu sein, läuft angesichts immer kontroverser verlaufender Debatten über Kulturbesitz und Raubkunst Gefahr, zu einer viel zu kurz greifenden Form der Darstellung zu geraten.

Vordergründig ist die mehrfach verschobene Eröffnung des nun mindestens 644 Millionen teuren Prachtbaus auf eine Handvoll baulicher Probleme zurückzuführen. Tatsächlich aber zeigt sich bereits jetzt, dass die konzeptionellen Defizite schwerer wiegen als ein paar gerissene Termine zur Durchführung einer Schloss-Gala. Was ausgestellt und wie es präsentiert wird, hat angesichts der permanent sich verändernden Baustelle bislang viel zu wenig Beachtung gefunden.