Berlin - Erst gab es Streit um den Entwurf, dann ging eine Baufirma pleite und die Kosten stiegen um vier Millionen auf derzeit zehn Millionen Euro. Neuerdings raufen sich die Planer die Haare, weil das falsche Baumaterial geliefert wurde. Auf der Rangliste der stressigsten Projekte der Region steht der Neubau der Rathausbrücke in Mitte weit oben. Doch nun scheint ein Ende des seit 2009 oft vor sich hin dümpelnden Bauvorhabens absehbar zu sein.

Erstmals seit Langem nennt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wieder einen Monat, in dem das Bauwerk fertig werden soll. „Wir wollen die neue Brücke im September eröffnen“, sagte Petra Rohland, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD).

Eröffnung mehrmals verschoben

Dass der Bauherr noch nicht genau mitteilen will, an welchem Tag die Brücke für Autos freigegeben wird, hängt mit den aktuellen Risiken des Projekts zusammen. Die Verkleidung ist aus Naturstein. Die Arbeiter kommen nicht immer wie geplant voran, weil Lieferungen ausbleiben oder andere Steine als die bestellten eintreffen. „Ich habe unsere Leute noch nie so böse erlebt“, hieß es im Senat. Immerhin: Seit April dürfen zumindest Fußgänger die neue Brücke passieren, nachdem 2009 der Abriss der alten begonnen hatte.

Doch für Autos ist sie noch tabu. Dabei wird die Spreeüberführung am Ende der Rathausstraße dringend als Alternative zur Liebknechtbrücke gebraucht. Auch die Ladenbesitzer im benachbarten Nikolaiviertel warten darauf, dass die Brücke fertig wird. Als gesagt wurde, dass sie im August eröffnet werden soll, kauften sie Luftballons für ein Fest – das dann allerdings ausfiel.

Es war nicht die erste Terminverschiebung. Ursprünglich sollte die neue Rathausbrücke 2011 fertig werden, dann war im Senat lange vom Frühjahr 2012 die Rede. Zuletzt stand auf dem Bauschild, dass die Freigabe am 8. August stattfindet.

„Banales Betonband“

Wie der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) hat auch die Rathausbrücke eine Pannengeschichte. So kam der Bau nur langsam in Gang, weil einer Firma das Geld ausging. 2010 ging der Stahllieferant pleite, harte Winter sorgten für Baustopps. Der Abriss des alten Mittelpfeilers machte ebenfalls Schwierigkeiten.

Auch die Vorgeschichte, die bis 1995 zurückreicht, ist wenig ruhmreich. Die CDU sowie die Gesellschaft Historisches Berlin und andere Initiativen kritisierten den Entwurf des Architekten Walter Arno Noebel. Die Konstruktion sei ein „banales Betonband“, hieß es. Kritisiert wurde, dass die Brücke anders als eine der Vorgängerinnen ohne das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten auskommen soll.

Doch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher setzte sich durch. Architekt Noebel kann den Triumph nicht mehr genießen: Er starb am 2. Juli im Alter von 58 Jahren in Berlin. Seine Brücke werde als „Monument des Alltags im städtischen Raum stehen“, heißt es in einem Nachruf.