Nicht mehr lange, dann soll es endlich so weit sein. Wenn nichts mehr dazwischen kommt, gibt Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup kurz vor Weihnachten bekannt, wann der BER ans Netz geht. Das wurde in Flughafenkreisen bekannt. Für die Sitzung des Aufsichtsrats, die dafür anberaumt werden soll, ist der 15. Dezember in Gespräch. „Darauf läuft es derzeit hinaus“, sagte ein Mitglied des Gremiums. Der Aufsichtsrat will an diesem Freitag darüber sprechen.

Der Termin für die Verkündung des Termins – ist er nun endlich absehbar? Über Jahre hinweg hatten Flughafenchefs den Zeitpunkt, an dem sie den Termin der BER-Eröffnung mitteilen wollten, immer wieder verschoben. Hartmut Mehdorn wollte ihn im Oktober 2013 verkünden – dazu kam es nicht. Karsten Mühlenfeld wollte im Oktober 2016 sagen, wann es so weit ist – daraus wurde ebenfalls nichts. Engelbert Lütke Daldrup kündigte die Terminbekanntgabe für den Sommer, dann für den Spätsommer 2017 an – aber auch der Spätsommer ist vorbei.

„Die Probleme sind noch nicht alle gelöst“

Wann wird der Eröffnungstermin genannt? Dass Mehdorn und Mühlenfeld eine Antwort verweigern, war nachvollziehbar. Zu viele Dinge waren ungeklärt, um einen soliden Zeitplan erstellen zu können. Auch heute ist einiges ungewiss am BER.

Zwar gehen die Arbeiten voran, aber nicht schnell genug. Das gilt auch für wichtige Arbeitsfelder. So muss für jeden der 78.000 Sprühköpfe der Sprinkleranlage der Nachweis erbracht werden, dass er im Notfall mit genügend Wasser versorgt wird. Ein weiteres Thema sind die 1570 ansteuerbaren Türen, die sich bei Feuer schließen oder öffnen sollen. Auch bei ihnen bleibt viel zu tun. „Die Probleme sind noch nicht alle gelöst“, lautete die Bilanz.

Seit Monaten bemüht sich die Flughafengesellschaft FBB, Lieferanten auf Zeitpläne festzunageln. „Die Firmen argumentieren: Wir sagen Euch gern einen Endtermin für unsere Arbeiten – wenn Ihr uns sagen könnt, wann wir anfangen können“, sagte ein Projektbeteiligter. Anfangstermine müsse der Flughafen jedoch oft schuldig bleiben.

500 Millionen Euro Finanzbedarf

Trotzdem geht man in der FBB nun davon aus, sich bald zum Eröffnungstermin äußern zu können. Aller Voraussicht nach werde Lütke Daldrup aber keinen Tag nennen, sondern einen Monat, hieß es in Flughafenkreisen. Die Ansage ist auch für die Finanzplanung wichtig. Monat für Monat schlägt der BER mit rund 20 Millionen Euro zu Buche – zum Beispiel in Form von entgangenen Miet- und Entgelteinnahmen.

Damit dem Aufsichtsrat im März ein aktualisierter Business Plan vorgestellt werden kann, muss klar sein, wie viele Monate der Flughafen noch geschlossen bleibt. In Aufsichtsratskreisen geht man davon aus, dass rund 500 Millionen Euro zusätzlich zu finanzieren sind.

Dort wird erwartet, dass von Dezember an gerechnet noch 20 bis 24 Monate lang kein Flugzeug am BER starten kann. Innerhalb dieser Zeitspanne halten Planer eine Eröffnung im Herbst 2019 für realistisch, zum Beispiel zum Beginn der Winterflugplanperiode Ende Oktober.

Im Aufsichtsrat gibt es aber auch Stimmen, den Start vorsichtshalber frühestens für den Sommerflugplan 2020 zu terminieren. Argument: Man wisse nicht, was noch schiefgeht am Flughafen, und viele Technikprüfungen stünden noch bevor.

Streit um neuen Chefposten

Am Freitag will der Aufsichtsrat ebenfalls darüber beraten, ob ein weiterer Bauexperte berufen wird. Wie berichtet will Lütke Daldrup Carsten Wilmsen zur FBB holen. Der Bauingenieur leitet am Flughafen München die Immobilienentwicklung, davor hat er den Ausbau des Hamburger Flughafens gut über die Bühne gebracht. In Berlin soll Wilmsen dem Technikchef Jörg Marks zur Seite stehen – und den Bau sowie Ausbau des BER steuern.

Doch die Personalie stößt im Aufsichtsrat auf Kritik, vor allem die Idee, für Wilmsen einen Geschäftsführerposten zu schaffen – den vierten bei der FBB. Arbeitnehmervertreter stoßen sich an den Gehaltskosten von rund 400.000 Euro pro Jahr, die das verursachen würde. Schlechte Presse könnte das Projekt nicht gebrauchen – auch die Brandenburger SPD nicht, die nach dem Kreisreform-Aus angeschlagen ist. Die Stelle sei zudem nicht ausgeschrieben worden, hieß es weiter.

Befürworter verwiesen dagegen darauf, dass jede Chance genutzt werden müsse, das Projekt voranzubringen. Denn es gebe noch viel zu tun. Der BER ist noch nicht am Netz – doch der Ausbau wird schon jetzt geplant. Auch um den Masterplan wird es im Aufsichtsrat gehen.