Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand? Ich werde das prüfen. Doch leider ist meine 180-Meter-Yacht noch im Bau. Also geht es hier erst einmal nur um zwei Landgerichte: Darmstadt und Cottbus. Ein Urteil aus der brodelnden Lausitzer Sauregurkenmetropole sorgt bundesweit für Erstaunen.

Tötung aus Eifersucht

Verhandelt wurde über einen Mann, der seine Ehefrau der Untreue geziehen, sie 19-fach gemessert, aus dem Fenster gestoßen und schließlich ihre Kehle eröffnet hatte. Von allein wäre ich unmöglich auf die Idee gekommen, es könne sich nicht um Mord handeln. Ich bin aber auch – John Grisham hin, „Zeugin der Anklage“ her – nicht vom Fach.  

Die Staatsanwaltschaft plädierte auf Totschlag. Der Richter folgte. Ein Totschläger bringt vorsätzlich um. Ein Mörder tötet darüber hinaus „aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam“. Nun gilt Eifersucht sehr wohl als tiefergelegtes Motiv, und grausam scheint mir für diesen Fall ein charmantes Wort zu sein.

Doch das sind, begründete der Cottbuser Richter, hiesige Maßstäbe. Der aus Tschetschenien stammende Täter habe erst seit einem halben Jahr in Deutschland gelebt und daher nicht gewusst, dass die Trennung von der Angetrauten hier keineswegs mit deren Auftrennung verbunden sein darf, anders als es – so hatte der Angeklagte behauptet – in seiner Heimat rechtens und vom Koran sowieso vorgeschrieben sei.

So redet ein Laie

Es wäre unangemessen, nun Flyer an mittelöstliche Zuwanderer zu verteilen – mit der Bitte, freche Frauen nach Möglichkeit nicht zu schächten. Das würde als diskriminierend empfunden. Ich tendiere dazu, auch bei Personen, die aus anderen Welten kommen, aber unbedingt in dieser Gesellschaft leben wollen, vom ersten Tag an ganz, ganz, ganz elementare Verhaltensweisen vorauszusetzen. Ihnen die Fähigkeit dazu abzusprechen, wäre rassistisch. In der Jurisdiktion meiner Heimat wüsste ich die anderortige Verwurzelung des Mädchenmissbrauchs oder Schwulenpeitschens nur äußerst ungern als mildernden Umstand gewürdigt. Aber so redet eben ein Laie.

Schwer erträglich, aber korrekt

In Auskennerkommentaren stand dagegen, dass das Urteil zwar schwer erträglich, aber korrekt und nicht mit einem „Kulturrabatt“ versehen sei. Der Täter, wiewohl nicht debil, habe seinen schändlichen Vergeltungsdrang nun mal nicht als solchen erkennen können. Das verwirrt mich.
In diesem Zustand nun nach Darmstadt: Dort stand nur fünf Tage nach dem Cottbuser Urteil ein afghanischer Asylbewerber vor Gericht.

Seine Frau hatte nicht zu ihm zurückkehren und – unter Verweis auf § 3 S. 1 Nr. 13 TierSchG – „lieber mit einem Hund schlafen“ wollen. Weil der Verlassene eine Affäre witterte, strangulierte er die Gattin mit deren Schleier und stach zu. Zwar nur elfmal, aber dafür standen die beiden kleinen Töchter daneben. Der Mann weilte erst zehn Monate im Lande und berief sich auf „paschtunischen Stolz“. Die Darmstädter Justiz erkannte dennoch auf Niedertracht und Heimtücke. Mord.

Nun warte ich: Wann erklären mir Experten, dass es sich um ein zwar populäres, aber fragwürdiges Urteil handele? „Ganz neu hier, der Mann! So ahnungslos! Revision, Euer Ehren!“ Keine Ahnung, was tatsächlich mit Gott und den Gerichten los ist. Ich sollte mich auf die hohe See konzentrieren.