Berlin - Auf den ersten Blick sehen sie nicht viel anders aus als die Straßenbahnen, die heute in Berlin unterwegs sind. Doch bei näherem Hinsehen fallen die Unterschiede auf. So ist zum Beispiel die Frontscheibe größer als bisher und sie ist tiefer nach unten gezogen. Türen und Fenster sind voneinander abgesetzt. Am Dienstag haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Alstom Gruppe die ersten Visualisierungen der neuen Straßenbahnen für Berlin veröffentlicht.

„Nachdem jetzt wesentliche Details des Designs geklärt sind, können wir das Geheimnis lüften“, sagte BVG-Betriebsvorstand Dr. Rolf Erfurt. „Mit frischem Design und zeitgemäßen Ausstattungsmerkmalen werden die neuen Fahrzeuge – genauso wie ihre Vorgänger in über 150 Jahren Berliner Straßenbahngeschichte – das Bild unserer Stadt prägen. Wir hoffen, dass die Züge unseren Fahrgästen genauso gut gefallen wie uns.“

Platz für bis zu 310 Reisende

„Es ist zwar kaum zu sehen, aber auch die Fahrwerke haben ein neues Design erhalten. Damit sorgen sie dafür, dass die Einstiegshöhe für Fahrgäste niedriger sein wird und dass die Straßenbahnen zukünftig leiser als bisher durch die Stadt rollen werden“, so Müslüm Yakisan von Alstom.

Im Dezember 2020 hat das Landesunternehmen BVG den Rahmenvertrag geschlossen – damals noch mit Bombardier Transportation, seit Ende Januar Teil der französischen Alstom-Gruppe. Mindestvergabevolumen: 350 Millionen Euro. Ende 2022 sollen die ersten Fahrzeuge geliefert werden. Die neuen Bahnen sollen in zwei Längen kommen: 30 und 50 Meter. Die 50-Meter-Version für bis zu 310 Reisende, eine Berlin-Premiere, soll auf stark nachgefragten Linien wie der M4 fahren.

Visualisierung: Alstom Group
... und hier die Frontansicht.

Doch der Fahrgastverband IGEB kritisierte, dass die Möglichkeiten nicht ausgeschöpft werden. „Berliner Haltestellen sind 60 Meter lang, die Züge könnten länger sein“, sagte Sprecher Jens Wieseke. Ähnlich gravierend: Anders als bislang könnten kurze Bahnen nicht zu Doppeltraktionen gekuppelt werden. Der Verband forderte Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) auf, sich dafür einzusetzen, dass die Bestellung geändert wird.

In der Tat sind Doppeltraktionen bei den neuen Straßenbahnen nicht möglich, bestätigte BVG-Sprecher Markus Falkner. „Wir haben uns im Rahmen der Vergabe zugunsten der Wirtschaftlichkeit so entschieden. Unsere Fachleute gehen davon aus, dass das Platzangebot für den geplanten Einsatzzweck auch auf absehbare Zeit ausreicht“, sagte er. Es gebe aktuell im Nahverkehrsplan und im Verkehrsvertrag kein Einsatzszenario, das einen gekuppelten Einsatz dieser neuen Fahrzeuge erfordern würde. „Für nachfragestarke Linien wie die M4 setzen wir ja bewusst auf längere Züge, die im Einsatz und in der Wartung deutlich besser zu handhaben sind als Traktionen.“