Die Debatte um das Humboldt-Forum wird im Dezember wohl ein Ende haben. 
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BerlinNach mehr als 30 Jahren Debatte soll das Humboldt-Forum am 17. Dezember 2020 eröffnet werden. Jedenfalls teilweise. Das gab Gründungsintendant Hartmut Dorgerloh gestern bei einer Pressekonferenz in einem der künftigen Sonderausstellungssäle des Kultur-, Museums-, Veranstaltungs- und Ausstellungszentrums bekannt. Erst kommen einige Räume im Hauptgeschoss und das Eosander-Hof-Foyer dran – etwa die Ausstellung zur „Geschichte des Ortes“ vom mittelalterlichen Dominikanerkloster bis zu den Sprenglöchern im Fundament des Palastes der Republik. Enden wird dieser Rundgang mit einer 28 Meter breiten Videoinstallation und der Präsentation der originalen Schlossfassaden-Skulpturen von Andreas Schlüter.

Die Passage und der Schlüterhof sollen, so Dorgerloh, als Freiräume Tag und Nacht offen stehen. Was im rabaukigen Berlin für konzeptionellen Mut spricht. In der Passage soll ab Dezember eine Installation zum Leben und Werk der Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt zu sehen sein. Es ist wohl davon auszugehen, dass auch ihre Freunde, Familien und internationalen Netzwerke hier zum Thema werden. Ob das Ganze allerdings lesbar sein wird in den schmalen, hoch gelegenen Fenstern des Haupttreppenhauses, das sei noch dahingestellt.

Schon im Januar wird es dann die erste richtige Sonderausstellung für Kinder geben, zum Thema Sitzen in unterschiedlichen Kulturen, sowie die Eröffnungsausstellung des Humboldt Labors der Humboldt-Universität: Anhand etwa eines Fischschwarms soll „Nach der Natur“ zeigen, erklärte HU-Präsidentin Sabine Kunst, wie Forschung funktioniert, wie eng Natur und menschliche Kultur miteinander verbunden sind. Am 16. Januar folgt dann die erste Inszenierung des Stadtmuseums „Berlin Global“ über Krieg und Frieden, Frauen, Mode oder Minderheiten. Auch hier ist angesichts des von Moritz von Dülmen von Kulturprojekte vorgestellten Materials bisher nur zu hoffen, dass die Selbstbehauptung Berlins, eine einzigartige Metropole zu sein, nicht jeden Vergleich mit anderen einzigartigen Metropolen unterminiert. Im April werden dann die „Werkräume“ übergeben, in denen die Besucher selbst forschen können. Die Staatlichen Museen beginnen ihr Programm mit Podiumsdiskussionen im Januar, beteiligen sich dann ab Mai an der Ausstellung über die Kunst-, Natur-, Kultur- und Politikgeschichte des Elfenbeins seit der Antike und bis heute, um im September 2021 ihre eigenen Ausstellungen im Westflügel zu eröffnen.

Auf mehrmalige Nachfrage der Berliner Zeitung konstatierte Dorgerloh, dass im Bundeshaushalt 53 Millionen Euro für 2021 für den Betriebshaushalt zur Verfügung stünden, was aber in den folgenden Jahren mit Sicherheit nicht ausreiche. Ab 2023 könne man dann einen gesicherten Etat vorlegen.  Und wie soll der zu erwartende Ansturm in Corona-Zeiten bewältigt werden? Dorgerloh verweist auf anpassbare Hygienekonzepte, ohne genauer zu werden.

Das Frühjahrsprogramm sieht übrigens auch eine Debatte über das blitzend-goldene Kreuz auf der Kuppel vor. Vielleicht wird dann endlich auch innerhalb des Humboldt-Forums über jene nun vage in der Form von 1848 nachgeschaffene Kuppelinschrift debattiert, welche die Unterwerfung unter den Glauben an Jesus Christus fordert und damit nach Meinung vieler Kritiker möglicherweise antikatholische, sicher aber antijüdische Inhalte transportiert.