Berlin - In Berlin gibt es jetzt erste Impfprivilegien: Singen, Tanzen, Theater, Sport in Kleingruppen – all das, was normalerweise seit Monaten untersagt ist, ist für geimpfte Bewohner von Pflegeeinrichtungen wieder möglich. Auch der Besuch von Friseuren in den Unterkünften sei „ausdrücklich zugelassen“. So steht es in der neuen Corona-Verordnung von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Damit würden „erste Schritte zu einer Normalisierung des Lebens in den Pflegeheimen eröffnet“. Voraussetzung sei, dass mindestens 80 Prozent der Bewohner Impfschutz genießen.

In der Berliner Politik wurde die Öffnung überwiegend positiv aufgenommen. Der Abgeordnete Thomas Isenberg (SPD) erkennt darin „kein Privileg, sondern einen Vorteil der Impfung“. An alle anderen, die sich – wie er selbst auch – bisher nicht impfen lassen konnten, richtet Isenberg einen Appell: „Wir müssen weiterhin solidarisch sein mit den besonders gefährdeten Menschen.“

Auch Wolfgang Albers von den Linken hält den Schritt für richtig. Dabei solle man aber die Möglichkeiten der Schnelltests nicht aus den Augen verlieren, sagt der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Abgeordnetenhauses. Auch diese könnten Freiheiten ermöglichen. Zu einer neuen Gerechtigkeitsdebatte sieht Albers keinen Anlass. „Die ist doch spätestens bei der Priorisierung der Impfungen ausgebrochen“, sagt er der Berliner Zeitung.

Impfreihenfolge soll nicht angetastet werden

Aus Sicht von Senatorin Kalayci sollen die neuen Freiheiten auch keinen Einfluss auf die Impfreihenfolge haben. Für einen späteren Zeitpunkt sei das aber durchaus überlegenswert. „Ich finde es richtig zum jetzigen Zeitpunkt, wo wir die chronisch Kranken und die über 70-Jährigen noch nicht geimpft haben, dass wir an der Priorisierung festhalten“, sagte sie am Montag bei der Sitzung des Gesundheitsausschusses im Abgeordnetenhaus.

Unter den Gruppen, die laut Impfverordnung derzeit für Impfungen vorgesehen sind, seien die über 70-Jährigen und die chronisch Kranken die allerwichtigsten, so Kalayci. „Die über 70-Jährigen sind in Berlin über 313.000 Menschen und die chronisch Kranken über 400.000 Menschen.“